Feeds for Thought. Zukunft

Dieser Tage ist es schwer, von den Gedanken an Fake News, Filtern, Propaganda nicht schockiert zu sein. Kaum verwunderlich, dass in meinem Feed-Reader und den Social-Media-Streams einige Artikel mit entsprechenden Themen oder besser Dystopien (also dem Gegenteil von Zukunftsoptimismus) aufgetaucht sind.

Ich teile ein paar, die mich besonders beschäftigt haben:

Data und so

Gerade erschien in der Schweizer Online-Zeitschrift Das Magazin die Reportage über eine Firma, die mit Big-Data-Analysen sozusagen Politik macht. Charakteranalysen von Facebook-Nutzern würden genutzt, um diesen gezielt manipulierende Artikel anzuzeigen. Der Forscher, der die Algorithmen entwickelt hat, sei in Gewissensnöten. „Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt“. Ganz so einfach ist die Sache mit den Psychogrammen aber offenbar nicht. Und das Targeting so neu auch nicht.

À propos Filterblasen, Echokammern und ähnliche Phänomene, von denen dieser Tage so oft die Rede ist. Ein guter Überblick über Propaganda, Bots, Medien und wie alles zusammenhängt, bei Netzpolitik.org: Fake News, Social Bots, Sockenpuppen, eine Begriffsklärung.

Im Merton Magazin ein Interview mit dem Soziologen Thomas Druyen über das neue Feld der Zukunftspsychologie, die „Auswirkungen der demografischen Zäsur, der Digitalisierung, der künstlichen Intelligenz und auch der Robotik auf unsere Psyche und unsere Gefühle“ untersucht, also wie wir lernen können, paradoxe Situationen und Ungewissheit besser aushalten zu können.

Noch ein, etwas älterer, Artikel von Sebastian Haselbeck bei den Netzpiloten, den ich in diesem Zusammenhang empfehle: Warum Cyberpunk die einzig plausible Zukunftsvision ist. Blade Runner und Co. zeigen ihn, den Zusammenprall von hochtechnisierter Zukunft und harter Realität.

Das Positive

„Eine neue Medienkompetenz in einer reizüberfluteten Kultur. (…) Im digitalen Zeitalter die informelle und kommunikative Balance wiederzufinden, die Medien im Sinne eines konstruktiven Lebens zu selektieren – darum wird es in Zukunft gehen.“ beschreibt Trendforscher Mathias Horx als eine der Strategien gegen die Negativität. Öfter mal den Ausschalt-Knopf betätigen. Und bewusst das Konstruktive suchen. (Sehr verkürzt wiedergegeben. Der Artikel Trump und die Zukunft ist wirklich lesenswert.)

Orwell

Von Alain de Bottons „School of Life“ gibt es ein Erklärvideo, eine animierte Bildergeschichte über George Orwells Leben und Werk: Sehenswert und passt natürlich immer.

Und sonst

Alpha Centauri bekommt einen neuen Namen. Die Internationale Astronomie-Union (IAU) beschloss ihn umzutaufen – in „Rigil Kentaurus“. Dann mal schnell das Navi für interstellare Reisen updaten…

 

Coole Hacks: Maker-Senioren online

„Wir werden alle älter“. Das ist so ein Standardspruch, sobald mal jemand über Knieprobleme oder Ich-hab-Rücken klagt. Aber hey, Leute, wir werden ja tatsächlich alle älter. Und irgendwann gelten wir als Seniorinnen und Senioren. Die heute noch diskriminiert werden mit Werbung à la „Computerkurse auch ab 50“.

Die Anbieter von (PC? Office?)-Kursen sollten sich mal ansehen, was SLO Senioren lernen online alles machen: die Möglichkeiten der Digitalisierung und des mobilen Webs nutzen für Empowerment, selbstbestimmtes Leben und Lernen.

Beispiel Kunstsurfen: Die Kunsthistorikerin Barbara Leisner organisiert Ausflüge in digitalisierte Sammlungen. Ideal für Menschen, die vielleicht körperlich nicht mehr so mobil sind.

Beispiel Mikrocontroller. Warum darauf warten, dass einem jemand Services zur Verfügung stellt – wenn man doch das Internet der Dinge selber bauen kann?

Wie können mehr Menschen von dem Angebot erfahren? Uta Krope von SLO hat ihr soziales Netzwerk für Senioren gerade beim Hackathon der Bundeszentrale für politische Bildung, „Selbstbestimmt leben in der vernetzten Gesellschaft“, vorgestellt. Der Hackathon ist selber ein gutes Beispiel für moderne Bildung. Nicht alles war früher besser (😉).

„Ohne falsche Ehrfurcht“: Computer und Wissenskonstruktion

Was kommt dabei heraus, wenn wir nach Jahren unsere „digitalen Artefakte“ wieder lesen? Dieser Tage schickte mir jemand per Chat einen witzigen Text: Mein ICQ-Protokoll aus dem Jahr 2000: Die schrägen Tage im Netz von damals. Der Kolumnist Martin Weigert beschreibt darin, wie er seine frühe Messenger-Kommunikation wiederentdeckt und staunend wieder liest – vor dem Hintergrund heutiger Erfahrung.

Dass es sich um ein aus persönlicher Sicht „historisches“ Dokument handelt, muss ich wohl kaum erwähnen. Damals war ich 17 Jahre alt, also im „besten“ Teenager-Alter. Zu lesen, wie das eigene, junge und unreifere Ich damals geurteilt hat, besitzt einen hohen Unterhaltungs- und Verwunderungswert.

Die Konversation, in der es viel um Downloadraten geht und darum, wie lange man online ist, fand ich deshalb so interessant, weil sie zeigt, wie stark künftig nicht nur unsere Alltagserfahrung, sondern auch unsere Erinnerung vom „Computer“ geprägt sein werden.

  • Spielt es eine Rolle, ob man jemals selber an einem Computer geschraubt, programmiert, gelötet hat?
  • Ist es wichtig, wie viel Zeit jemand damit verbracht hat, Software zu verstehen (oder sich darüber zu ärgern, oder sie zu verbessern)?

Mit der Frage, „welchen Anteil eigentlich die Medientechnologien an der Produktion von Wissen hatten und haben“ beschäftigt sich übrigens eine eigene Disziplin: die Medien- und Computerarchäologie. Warum es sich lohnt – egal ob als Digital Native oder Digital Immigrant – in die „Urzeit“ abzutauchen, sagt der Medienwissenschaftler Stefan Höltgen in einem Interview:

Ein Smartphone oder Tablet-Computer ist prinzipiell immer noch eine Turing-Maschine und basiert auf der Von-Neumann-Architektur. Das sind Konzepte aus den 1930er- und -40er-Jahren. Wir zeigen (…) z.B. an der Grafik-Generierung eines Homecomputers der 1980er-Jahre, wie die Grafik auf einem Tablet prinzipiell funktioniert. Genau diese Vorgehensweise führt dazu, dass die Scheu vor dem vermeintlichen Fachwissen über Computer verloren geht und man die neuen Geräte nicht mehr mit der falschen Ehrfurcht des Verstehe-ich-sowieso-nicht als bloßes Kommunikationstool versteht.

 

virtual-computer-generation

„Wie war das noch gestern? Wer war ich noch gestern?“ (Dieter Thomas Kuhn)

Retrocomputing nennt man das, wenn die Spiele-, Bastel- und Programmiervergangenheit neu belebt wird. Auch, indem die Beschränkungen der frühen Geräte dazu benutzt werden, kreativ zu werden und die damaligen Konzepte mit heutigem Wissen neu zu interpretieren. Diese Retro-Szene ist bislang fast reine Männerdomäne (wen wundert’s). Aber das kann – und sollte – sich ändern.

Bildquelle: © feisty – Fotolia.com

Hello, past and future self

Die Lernexpertin Silvia Rosenthal Tolisano schreibt auf ihrem Langwitches Blog, wie sehr sie sich manchmal wie ein Wesen von einem fernen Stern vorkommt, wenn sie Begriffe wie Netzwerk-Lernen, Heutagogy, selbstgesteuerte Lernen verwendet. Wie oft sie feststellt, dass beim Thema Bildung so dermaßen aneinander vorbeigeredet wird. Das Gefühl, außerhalb der eigenen Filterblase von niemandem verstanden zu werden, habe sie, so Tolisano, auch vor 7 Jahren schon gehabt, und seitdem sei Vieles unverändert geblieben.

Bei der Lektüre des Artikels gingen mir gleich mehrere Fragen durch den Kopf.

© Maksim Šmeljov - Fotolia.com
Macht es eigentlich nur die Umgebung? Dass man erkennt, wie weit man sich entwickelt hat im Vergleich zu anderen, die mehr am Hergebrachten hängen? Ist es mehr oder weniger Zufall, dass man jetzt anders denkt als noch vor Jahren, oder ist es das Ergebnis eines gezielten Entwicklungsprozesses?

Die Frage ist doch: Woher wissen wir denn eigentlich, wo wir selbst vor 7 Jahren standen und wo jetzt?

Weiterlesen

Häppchenweise Motivation: Der Digital Writing Month

Die nächsten 30 Tage werden so oder so vorübergehen, ob Sie das wollen oder nicht. Warum also nicht einfach etwas Neues ausprobieren?

sagt Matt Cullen in seinem TED-Talk Try something new for 30 days.

30-Tages-Herausforderungen sind unglaublich in, seit Jahren schon. Sie beruhen auf der (nicht bewiesenen) These, dass sich eine Gewohnheit etablieren lässt, wenn man eine Sache 30 Tage lang durchhält. Nicht jeder mag dabei vielleicht die Motivation oder die Zeit aufbringen, in diesem einen Monat einen ganzen Roman zu schreiben. Weiterlesen