2 Rezepte für Dummy-Texte

Also, ich hatte doch letztens versprochen, zwei weitere Methoden vorzustellen, wie man sich Blindtext jenseits des langweiligen lorem ipsum herstellen kann.

Blindtext, das sind mehr oder weniger sinnfreie Platzhaltertexte, die genutzt werden können, wenn nicht genügend (oder passende) Inhalte zur Verfügung stehen.

Man kann sie entweder „freestyle“ selber erzeugen oder „sampeln“.

Methode 1: Freewriting

Viele nutzen die Methode als Aufwärmtraining fürs Schreiben, sie gilt als bewährter Kreativitätsbeschleuniger bei Schreibblockaden. Das Prinzip ist einfach: Küchenwecker stellen und in kurzer Zeit so viele Wörter wie möglich aufs Papier oder den Bildschirm bringen, Quantität vor Qualität.

So kann über die Zeit eine ganze Menge Rohmaterial anfallen. Muster ohne Wert, wie es früher bei der Post so schön hieß.

Andererseits – wieso eigentlich Muster ohne Wert? Es gibt Leute, die das Blindtext-Schreiben zu einer Kunstform entwickelt haben.

Christian Beckmann beschreibt in Blindtexte für Sehende (Spiegel online 21.11.2000), wie er Blindtext als eigenwillige Literatur zu betrachten begann und liefert einige Beispiele, wie man das „Inhalts-Vakuum füllen“ kann.

Methode 2: Klassiker aufpeppen

Eine Reihe von Portalen archiviert Werke, die 70 Jahre nach dem Tod der Autorin oder des Autors gemeinfrei geworden sind, in digitaler Form und macht sie für alle zugänglich. Bekannte Beispiele sind das Projekt Gutenberg, DigBib.Org und zeno.org. Aber Obacht: Selbst wenn die Autoren-Urheberrechte erloschen und die Texte selber öffentliches Gut geworden sind, kann es sein, dass Nutzungsrechte an den Digitalisaten beachtet werden müssen. Viele Texte stehen auch über die Google-Büchersuche zur Verfügung.

Das DFG-Projekt Deutsches Textarchiv an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften stellt eine Reihe älterer deutschsprachiger Texte zur Verfügung, wobei die reine Textversion im Sinne der Gemeinfreiheit ohne Einschränkungen benutzt werden kann.

Nachteil bei solchen Texten aus dem 18./19. Jahrhundert: Die Sprache ist einfach so antiquiert, dass sie eventuell zu sehr vom eigentlichen Zweck der Demo ablenkt oder sogar abschreckend wirkt. Warum also nicht mit einfachen Mitteln modernisieren und zu echten Nonsens-Texten umfunktionieren? Gut, das ist nicht nett gegenüber den Klassikern – andererseits: wer beschäftigt sich schon jenseits der Schulzeit so intensiv mit ihren Werken?

Diese Methode eignet sich im Übrigen gut zum Testen von Werkzeugen zur Textmanipulation. Wenn man etwas nerdiger veranlagt ist. (Damit ist aber nicht gemeint, Inhalte absichtlich zu verfälschen. Beim „Manipulieren“ von Text geht es in der Regel um Qualitätssicherung und Arbeitsvereinfachung.)

Wie sieht das Ergebnis aus? Hier ein Beispiel. Der Dummy-Text beruht auf Versatzstücken aus der Feder illustrer Autoren, die auf die Schnelle ordentlich verwirbelt wurden, zum Beispiel durch „Sampeln“ zufälliger Sätze über Textmuster.

Original-Quellen:

Louise Aston: Meine Emancipation, Verweisung und Rechtfertigung. Brüssel, 1846. http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/aston_emancipation_1846
Ferdinand Ernst: Bemerkungen auf einer Reise durch das Innere der vereinigten Staaten von Nord-Amerika im Jahre 1819. Hildesheim, 1820.
http://www.deutschestextarchiv.de/book/show/ernst_nordamerika_1820
Heinrich Heine: Zur Geschichte der Religion & Philosophie in Deutschland. Hamburg 1834. http://digbib.org/Heinrich_Heine_1797/Zur_Geschichte_der_Religion_und_Philosophie_in_Deutschland
Rudolf Schmidt: Deutsche Buchhändler. Deutsche Buchdrucker. Band 2. Berlin/Eberswalde 1903, S. 206-212. http://www.zeno.org/nid/20011434899

[Update] Wem das alles doch zu mühsam ist: Einwandfreien Cat Content produziert Catipsum. Allerdings wieder in einer Art Englisch.

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