Bücher auf der Smartwatch lesen – wer macht das denn?!

Kürzlich war zu lesen, dass Hersteller von Smartwatches und App-Entwickler sich Gedanken darüber machen, wie die neuen „Standalone“-Möglichkeiten des Android-Betriebssystems genutzt werden können.  Wird es künftig zur Normalität, dass wir Armbanduhren zum Hören von Audiobooks und zum Bücherlesen benutzen?
Laut einer aktuellen BITKOM-Studie lesen schon jetzt 38 Prozent der E-Book-Leser Bücher auf dem kleinen Bildschirm des Smartphones – aber auf der Smartwatch?
Die Jungs und Mädels der MUG (Mobile User Group) Frankfurt tauschen sich intensiv via Messenger über die neusten mobilen Gadgets und ihre Funktionen aus. Ich habe sie gefragt, wie sie Lesen auf Smartwatches beurteilen. Die Antwort fiel skeptisch aus: „Geht gar nicht“, „3 Wörter pro Sekunde!“, „Und dann ist mitten im Satz der Akku wieder leer …“

Allerdings: Dank einer Technik namens Sprint lässt sich die Süddeutsche Zeitung auf die Art bereits seit einem Jahr lesen. Und auch das Fachblog Lesen.net hat bereits im September 2014 über diese Entwicklung berichtet und seine Leserschaft – darunter sicher viele langjährige E-Book-Nutzer – befragt. Diese kamen mehrheitlich zu dem Schluss: Lesen vielleicht, aber Belletristik? Eher nicht.

Und sich vorlesen lassen? Das wäre eine Option. Vielleicht wird es darauf hinauslaufen, dass wir noch mehr Hörbücher nutzen, und dass wir uns Bücher vorlesen lassen statt selber zu lesen, beispielsweise mit der Text-to-Speech-Funktion.

Ich denke aber auch, dass sich die Lesegewohnheiten ändern könnten. So wie das Web dazu (ver)führte, nur mehr zu scannen statt zu lesen (wie wir bekanntlich aus den Usability-Studien von Jakob Nielsen wissen), so könnten uns die Smartwatches womöglich nach der Speedreading-Methode trainieren, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Aussagekräftige Überschriften werden noch wichtiger werden als bisher, damit die Häppchen aus unseren Texten überhaupt auf dem Display abgerufen werden. Und vielleicht tritt die Quelle eines Texts oder einer Nachricht ganz hinter den Inhalt zurück …

Zum Weiterlesen: Im Usabilityblog hat sich Joachim Lindner mittlerweile Gedanken darüber gemacht, wie man Inhalte für Smartwatches optimieren kann.

[Update:] Ein südkoreanisches Unternehmen hat jetzt die „Dot Watch“ entwickelt, mit der Blinde Bücher lesen können: Texte, die beispielsweise in einem eBook gespeichert sind, übersetzt die Smartwatch in Brailleschrift.