Das Barcamp als Lernort. Rückblick aufs #bcmuc

Am vergangenen Wochenende fand nach fünfjähriger Pause wieder ein Barcamp München statt. Der Ort: Microsofts OfficeMitWindows, dessen Digital Chandeliers-Installation im Atrium während der zwei Tage zum wahrscheinlich beliebtesten Fotomotiv wurde.

Barcamps sind ja für Schreibtischmenschen eine prima Gelegenheit, einmal raus aus dem Trott zu kommen und sich mit interessanten Leuten zu vernetzen. Offiziell natürlich geht es bei solch einer Unkonferenz ums „Teilen“ von Wissen, wie auch die Veranstalter in ihrer Einführung betonten. (Danke an dieser Stelle, ans tolle Orga-Team und überhaupt alle.)

Gut, was gab es diesmal mitzunehmen? Ich meine nicht die Goodies der Sponsoren, sondern Infos. Eine subjektive Auswahl an facts.

Erstens: Wer geht zu solchen Veranstaltungen? Noch dazu, bittschön, am Wochenende! Außer den Nerds, die das Ganze schließlich erfunden haben, sind das nach meiner Theorie

  • (Social-Media-)Menschen, die offline Netzwerken wollen,
  • Menschen, die sich beruflich und auch sonst mit Lernen beschäftigen,
  • Menschen, die ihre Projekte, Ideen, Expertise vorstellen oder promoten wollen,
  • Menschen, die grundsätzlich neugierig sind und offen für Neues,
  • Wiederholungstäter, Barcamp-Fans.

Von vielen TeilgeberInnen – es gibt ja auf Barcamps per Definition keine Teilnehmenden – war entsprechend zu hören, dass man so viele nette Leute getroffen habe. Gleichgesinnte eben. Im besten Falle entstehen aus Barcamp-Bekanntschaften und Vorträgen richtige gemeinsame Projekte. Ganz sicher wars beim #bcmuc so, ich denke, da wird an anderer Stelle darüber berichtet.

Detail aus der Office-Führung am Rande

Zweitens: Es wird unheimlich viel fotografiert und getwittert. Eine gute Sache, einerseits. Andererseits wäre es in den Einführungssessions gut gewesen, die zahlreichen Neulinge darauf hinzuweisen, aber auch für die alten Hasen, Do’s und Dont’s zu besprechen, Stichwort: Recht am eigenen Bild. Tipp: Bei manchen Barcamps oder Konferenzen gibt es z.B. für Leute, die nicht fotografiert werden wollen, spezielle Lanyards.

Drittens: Die Sessions selber – Vorträge, Workshops, Diskussionen, „Vorbereitung optional“ – waren thematisch wieder breit gefächert, und natürlich alles Interessante  parallel. Hier welche, die ich verpasst habe: „Wie geht Verlag“, „Lego Video Datenanalyse live“, „Die CNC-Fräse im Schlafzimmer“, „Slides of Doom“ (Präsentationen), „As Time Goes Pi“ (Mnemotechnik) und und und.

Müssen alle ziemlich gut gewesen sein, Näheres dann eben in anderen Blogs, zum Beispiel hier auf refind von Mitorganisator Johannes @photonity gesammelt.

Vielleicht entsteht im Nachhinein doch noch eine richtige Doku …

Im Vortrag von Wilfried Hoge habe ich in Grundzügen gelernt, wie man mithilfe der Plattform Bluemix Chatbots programmieren kann. (Siehe seine Artikel dazu hier und hier.) Wozu das gut ist? Chatbots könnten in nicht zu ferner Zukunft Apps als Benutzerschnittstellen ablösen. Es kann nicht schaden, sich damit zu befassen und erfordert Skills, die künftig sicher auch für Angehörige der schreibenden Zunft wichtiger werden. (siehe Forget Coding: Writing Is Design’s “Unicorn Skill” | Co.Design)

Thorsten @tmmd zeigte uns Tipps und Tricks, wie man günstig mit der Bahn reist und die couragierte @windfeder erzählte packend von einem Jahr als Schülerin in Japan.

Guten Austausch gab es zum Thema MOOCs, und zwar sowohl aus Teilnehmersicht als auch aus der Perspektive derer, die diese Offenen Onlinekurse in Unternehmen gerne als Form der Weiterbildung einführen würden, aber bislang noch an Strukturen und Vorgaben scheitern.

Die Session, dokumentiert von Markus Metz, @mmetz190481:

Spannend fand ich auch einen Vortrag von Simon Brüchner alias @powtac, der von seinem Projekt Hiring Remote Workers berichtete: Wie sein Unternehmen mit den verschiedensten Programmierern über die Plattform Upwork Aufträge abwickelt, nach welchen Kriterien sie die Mitarbeiter auswählen und was man für eine gute Zusammenarbeit berücksichtigen muss. Upwork ist eine der größten Crowdworking-Plattformen und hat in den letzten Jahren andere Anbieter wie Elance, ODesk, Freelancer.de übernommen. Klar ging es dabei speziell um IT-Projekte (zum Teil, aus Sicht anderer TeilgeberInnen, auch um Support und Marketing). Ich denke aber, manches ist auf andere Bereiche übertragbar, in denen Freelancer tätig sind. Wenn eines der zentralen Kriterien für die Qualität sowohl auf Auftragnehmer- als auch auf Auftraggeberseite ist, wie viele Stunden bereits über die Plattform abgerechnet worden sind, wird es für EinsteigerInnen nicht leicht.

Unterhaltsam ging es in der Mini-Schreibwerkstatt von Daniela Heggmaier alias @WritingKitten zu. Sie hatte ihr Wollknäuel, äh, den roten Faden mitgebracht und zeigte uns drei Methoden, selbigen zu finden. Eine davon: das Elfchen. Diese Gedichtform aus elf Wörtern (beliebt übrigens im DaF/DAZ-Unterricht) dient dem kreativen Schreiben und hilft, ein Thema auf das Wesentliche zu komprimieren. Das ist doch wunderbar, um auch hier ein Fazit zu ziehen:

BARCAMPFEELING
DRAUSSEN FRÜHLING
DRINNEN HERUMNERDEN
LERNEN EXPERIMENTIEREN PITCHEN
ZUR NACHAHMUNG
EMPFOHLEN