Evernote-Alternativen?

evernoteDie Ankündigung neuer Datenschutzregelungen bei Evernote, die einigen seiner Angestellten Zugriff auf Notizen der User ermöglichen sollten, hat einen Sturm der Entrüstung ausgelöst. Langjährige Nutzer kündigten ihren Account und löschten die Notizbücher, worauf das Unternehmen schnell zurückruderte und den Zugriff ausdrücklich von der Zustimmung der Anwender abhängig machen will. Schon seit der Preiserhöhung im Sommer gibt es immer mehr Überlegungen zu einem „Everexit“, wobei sich die Suche nach Alternativen schwierig gestaltet. 

Was ich daran lustig finde: Dass es besonders dann als Eingriff in die Privatsphäre empfunden wird, wenn Menschen die Notizen lesen – und dabei geht fast unter, dass dies zur Verbesserung des Maschinenlernens dienen sollte. Sprich, dass im Hintergrund Analysewerkzeuge werkeln werden, die ein immer genaueres Nutzer-Persönlichkeits-Profil zu erstellen in der Lage sind. Sei’s drum.

Selbst wenn alle der im Folgenden genannten Dienste den Import von Evernote-Notizbüchern erlauben und so bei einem Wechsel keine Inhalte verloren gehen, wird man beim Arbeiten  Abstriche machen müssen.

  • OneNote von Microsoft ist wohl vom Funktionsumfang her am ehesten vergleichbar,  in wesentlichen Punkten hinkt es aber hinterher, zum Beispiel was die Möglichkeit der Offline-Speicherung und die Suchfunktionen angeht. Genauer nachzulesen im OneNote-Blog: Evernote erhöht die Preise – Flucht zu OneNote.
  • Für alle, denen es hauptsächlich um das Erstellen und Verwalten privater Notizen geht, lohnt sich ein Blick auf die zahlreichen reinen Notizbuch-Apps, die es mittlerweile gibt. Apple-User loben etwa das schicke Bear, welches im Gegensatz zu Evernote z.B. gut mit Markdown umgehen kann und zudem genestete Schlagwörter erlaubt. Nur: Das wird denjenigen nicht genügen, die eine eierlegende Wollmilchsau wie Evernote gewöhnt sind. Why I’m Considering Bear as a Notes App Replacement (MacStories). Bear is everything we wanted Notes to be (TheNextWeb).
  • Devonthink wird schon seit langem als alternative Mac-spezifische Umgebung für das Wissensmanagement bzw. das papierlose Büro gepriesen und bietet mit DevonthinkToGo jetzt auch eine mobile App. Was fehlt, ist aber die Plattform-Unabhängigkeit. Zudem braucht es einige Zeit, sich damit vertraut zu machen und es auch wirklich zum Laufen zu bringen. Von Evernote zu Devonthink wechseln (Designers Inn). Einen interessanten Thread dazu gibt es auch im englischsprachigen Evernote-Forum.
  • Profi-User, denen es wichtig ist, Informationen statt in der Cloud auf dem eigenen Netzwerkserver zu hosten, werden künftig vielleicht auf Note Station von Synology setzen. Dabei müssen sie aber noch auf Vieles verzichten, etwa die praktischen Zusatzfunktionen des Webclippers und Verfügbarkeit auf zahlreichen Plattformen. Meinung: Synology sollte bei Note Station endlich Gas geben (Sebastian Brinkmann).

Ich denke, alle diese Entwicklungen gilt es im Auge zu behalten. An die Möglichkeiten, die Evernote bietet, Recherchematerial in den unterschiedlichsten Formaten schnell und unkompliziert zu sammeln, zu durchsuchen und praktisch von überall im Zugriff zu haben, kommt momentan leider kein anderer Dienst heran.

[Update: Soeben flattert über die wie immer hilfreiche Twitter-Timeline der sehr empfehlenswerte Blogartikel von Dennis Schmolk herein: Zehn freie, quelloffene Evernote-Alternativen im Vergleich]

(Quelle für Illustration rechts oben: Tanja Krstevska – Fotolia.com)

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