Mobile first! Korrektur lesen auf dem  Smartphone

Reader-AppsSmartphones sind im Gegensatz zu E-Readern Multitasking-Geräte. Sie werden für alles Mögliche und natürlich nicht in erster Linie zum Bücherlesen verwendet.
Aber die Bedeutung des mobilen Lesens auf dem Handy wird über alle Altersgruppen hinweg zunehmen: Zu praktisch ist es doch, für „ungeplantes“ Lesen zwischendurch seine E-Books unterwegs im Zugriff zu haben – synchronisiert über die verschiedenen Plattformen und ermöglicht durch eine Vielzahl von Lese-Apps.

Wenn immer öfter Bücher auf dem Smartphone gelesen werden, was bedeutet das fürs Büchermachen?

In einem kürzlich erschienenen Artikel in der Selfpublisher-Bibel zieht Matthias Matting den lustigen Vergleich zwischen Schreiben und Enkel-Bestricken: Wer Socken strickt, wird „ab und an probieren lassen“. Matting rät Autoren, ihr Werk auf einem „echten E-Reader zu testen“, um zu verstehen, wie es bei den Lesern ankommt. Ob Inhaltsverzeichnis, Bilder, Links funktionieren. Wie der Text in verschiedenen Schriftgrößen erscheint.

Ich denke, es ist Zeit einen Schritt weiter zu gehen und zu überlegen, wie das alles auf dem kleinen Display des Smartphones erscheinen wird. Und dafür frühzeitig je nach Zielformat  in den diversen Apps (Kindle, iBooks, Marvin, Bluefire und wie sie alle heißen) zu testen. Einige Aspekte, die Autoren und Lektoren bedenken sollten:

Die Aussagekraft des Inhaltsverzeichnisses
Im Vergleich zum gedruckten Buch fehlt beim digitalen das intuitive, greifbare Gefühl, wo ich mich gerade befinde, selbst wenn die Position oder Seitenzahl angezeigt wird. „Spontanes Blättern“ gleicht beinahe einem Blindflug. Eher werde ich durchs Buch navigieren, so wie im Web, wo ich mich von Menü zum Text und zurück bewege.
Jedenfalls beim Sachbuch sollte also der rote Faden, die Entwicklung der Argumentation, der logische Zusammenhang aufgrund prägnant formulierter Überschriften  im Inhaltsverzeichnis sichtbar sein.

Sinnvolle „Portionierung“ des Textes
Die Grundsätze des webgerechten Textens vielleicht noch stärker berücksichtigen. Für mobile Nutzer und flüchtiges Lesen optimieren: Beispielsweise prüfen, ob auf dem Display jeweils ein sinnvoller Ausschnitt zu sehen, auf einen Blick zu erfassen ist.

Die Gestaltung liegt beim Leser – oder bei Amazon
Man kann sich viel Gedanken über Gliederung, Weißraum, Schrifteinbettung machen. Aber es nützt letztlich wenig, wenn der Text doch wieder zum Beispiel in Blocksatz mit zum Teil grausamen Trennungen gezwungen wird. Wenn beim Kindle des Nutzers nicht „Schriftart des Herausgebers“ bzw. Publisher View eingestellt ist. Und so weiter. Aber wenigstens kann man über die Gestaltung von Bildern, Zwischenüberschriften, vielleicht auch Hervorhebungen im Text nachdenken, Bleiwüsten auflockern. (Natürlich, Bleiwüsten gibt es nicht mehr, vielleicht sollte man von Buchstabenmeeren sprechen.)

KorrekturLast not least: Sorgfältig Korrektur lesen …
Rechtschreibfehler fallen noch mehr ins Auge, wenn jeweils nur wenige Textzeilen zu sehen sind.
Pro Tipp: Sich den Text von einer Reader-App wie Voice Dream vorlesen lassen. Dann fallen auch noch Dopplungen auf, die das Auge ansonsten gerne überliest (dass dass, 360°-Grad …). Oder man stößt auf überflüssigen Jargon und unnötige Anglizismen, weil sie nämlich falsch ausgesprochen werden.

Übrigens lässt sich durchs Vorlesen-Lassen nebenbei feststellen, wie barrierefrei das Ganze ist.
Ich habe kürzlich erst die Quellenangaben aus einzelnen Unterkapiteln herausgelöst und in ein separates Literaturverzeichnis am Schluss gestellt. Es ist ja nicht wirklich prickelnd, sich Bibliographisches und Web-URLs anzuhören ;).