Marches und Memes

Gestern, am Earth Day, haben in vielen deutschen Städten Menschen für die Forschung und gegen Wissenschaftsfeindlichkeit demonstriert, wie hier in München.

Weltweit fanden etwa 600 solcher Kundgebungen statt (March for Science). Wer mitmarschierte, konnte fast nicht umhin, die witzigen Sprüche und kreativen Plakate zu fotografieren; sie sind vielfach in den sozialen Medien geteilt worden.

Neben den schon aus früheren Demos bekannten Pussy Hats tauchten als neue Kopfbedeckung auch selbst gestrickte Brain Hats auf.

Schnell stellten Online-Magazine wie Mashable und Buzzfeed Hitlisten der „geekigsten“ Schilder und Accessoires auf.

Solche Wechselwirkungen zwischen Netzkultur, Hashtag-Memen und physischen Objekten, die Protestbewegungen begleiten, untersucht die Technologieexpertin An Xiao Mina in ihrem Vortrag The Things of the Internet, und das ist mein eigentlicher Linktipp für heute.

Ihr Ausgangspunkt sind Schilder und Objekte wie Kopfbedeckungen, die individuell in Handarbeit hergestellt werden, und zwar genau mit dem Gedanken, dass andere diese fotografieren und digital verbreiten – um dann anderswo aufgegriffen, remixt und adaptiert zu werden. All das unterstreicht die Erkenntnis, dass sich die „digitale Welt“ und die „reale Welt“ schon lange nicht mehr voneinander trennen lassen.

An Xiao Mina geht aber in ihrem Vortrag noch über das Phänomen der vernetzten Mem-Produktion in sozialen Bewegungen hinaus und beschreibt, wie ähnliche Prozesse in China für eine sehr spezielle Spielart von Open Innovation, genannt Shanzai, genutzt werden. Eine schnelle vernetzte Produktion von individualisierten Konsumartikeln, die viel auf Ausprobieren und Adaptieren, aber auch dem Verbreiten von Memen beruht. Wirklich interessant!

Ihre Präsentation schließt mit den Worten: „And in true Shanzai fashion, I just wanted to throw things out there and then get feedback and let other people guide the conversation from here.“ Vielleicht hätte sie auch sagen können: in true scientific fashion?

„Ohne falsche Ehrfurcht“: Computer und Wissenskonstruktion

Was kommt dabei heraus, wenn wir nach Jahren unsere „digitalen Artefakte“ wieder lesen? Dieser Tage schickte mir jemand per Chat einen witzigen Text: Mein ICQ-Protokoll aus dem Jahr 2000: Die schrägen Tage im Netz von damals. Der Kolumnist Martin Weigert beschreibt darin, wie er seine frühe Messenger-Kommunikation wiederentdeckt und staunend wieder liest – vor dem Hintergrund heutiger Erfahrung.

Dass es sich um ein aus persönlicher Sicht „historisches“ Dokument handelt, muss ich wohl kaum erwähnen. Damals war ich 17 Jahre alt, also im „besten“ Teenager-Alter. Zu lesen, wie das eigene, junge und unreifere Ich damals geurteilt hat, besitzt einen hohen Unterhaltungs- und Verwunderungswert.

Die Konversation, in der es viel um Downloadraten geht und darum, wie lange man online ist, fand ich deshalb so interessant, weil sie zeigt, wie stark künftig nicht nur unsere Alltagserfahrung, sondern auch unsere Erinnerung vom „Computer“ geprägt sein werden.

  • Spielt es eine Rolle, ob man jemals selber an einem Computer geschraubt, programmiert, gelötet hat?
  • Ist es wichtig, wie viel Zeit jemand damit verbracht hat, Software zu verstehen (oder sich darüber zu ärgern, oder sie zu verbessern)?
virtual-computer-generation

„Wie war das noch gestern? Wer war ich noch gestern?“ (Dieter Thomas Kuhn)

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Vor der Buchmesse: Ein Streifzug durch die Buchblogs

1245 Adressen umfasst mittlerweile die Topliste der deutschen Buchblogs, die Tobias Zeising auf seiner Seite Lesestunden zusammengestellt hat, wo er regelmäßig die Blogosphäre der Buchblogger analysiert. Viel zu viele, um sie annähernd zu verfolgen – und ohnehin interessant eher für diejenigen, die sich mit Belletristik beschäftigen. Aber doch einen Blick wert.

Viele Buchblogs widmen sich der Literatur selbst, den guten Büchern, den Rezensionen. Bei den folgenden Leseempfehlungen geht es mehr um das „Drumherum“. Weiterlesen

Mein iPad als Schreib-Maschine 3: Korrekturen im PDF

zenmeerFreiberufler ist ein toller Begriff, denn er enthält das Wörtchen „frei“.

Nun sind ja die meisten Freelancer, die ich kenne, sehr diszipliniert. Höchstens als Arbeitsnomaden in der Wahl des Arbeitsortes fühlen sie sich „frei“:

ladestation

Warum nicht am See, im Garten oder an exotischen Orten, mit leichtem Gepäck und bei wackliger WLAN-Versorgung arbeiten?

Ich bin in letzter Zeit öfter gefragt worden, ob ich nicht eine App kenne, mit der man auf dem iPad komfortabel PDFs korrigieren kann, und zwar mit dem Stift, so wie auf Papier eben. Und offline … Vermutlich hängt das mit dem Arbeitsort zusammen, siehe oben.

Gut, Kollegen, mein Tipp: GoodReader, weil ich damit schon eine Weile arbeite und gute Erfahrungen gemacht habe. Weiterlesen

Spiel-Cards: Website-Content entwickeln mit Evernote

Die Idee, Karteikarten für Textentwürfe und zur Konzepterstellung zu verwenden, ist fast so alt wie die Menschheit 😉 Aber sie bewährt sich immer wieder.

Karten kann man sich als Behälter für modulare Inhalte denken oder als Bausteine, die nach Belieben neu angeordnet, kategorisiert und sortiert werden können. Seit dem Aufstieg des mobilen Web ist die Karten-Analogie allgegenwärtig, man denke nur an Twitter- und Instagram-Cards.

FullSizeRenderWas liegt da näher, als das Karten-Prinzip auch bei der Entwicklung der Inhalte, die auf eine Website sollen, anzuwenden?

Eine einfache Möglichkeit (für die, die es sowieso schon nutzen) bietet hier Evernote. Denn schließlich – die einzelnen Notizen sind auch nichts anderes als „Karten“.

Für ein kleines Relaunch-Projekt habe ich es kürzlich ausprobiert: Was bringt die „Simulation“ der Webinhalte in Evernote? Weiterlesen