Prägnant, fluid: der Twitter-Essay

Mit das Interessanteste, was ich diese Woche gelesen habe, war ein Artikel auf Wired über Emma Coats. Die Storytelling-Spezialistin trainiert Googles Sprachassistenten Persönlichkeit und Schlagfertigkeit an, um das Nutzungserlebnis zu verbessern. Wer sich mit dem Äquivalent zu Apples Siri unterhält, soll das Gefühl eines echten Gegenübers haben. Also gilt es, eine Figur mit einer Art Story zu entwickeln.

Emma Coats war früher bei den auf Animationsfilme spezialisierten Pixar Studios angestellt. Was sie dort über Storytelling lernte, fasste sie in einer Serie von Tweets zusammen – den als Pixar’s Rules of Storytelling berühmt gewordenen 22 Regeln. Diese Tweets, so wird sie in dem Wired-Artikel zitiert, seien eine Art Notizen an ihr früheres Selbst gewesen.

Sicher ist Emma Coats nicht die Erste, die Twitter in dieser Weise verwendet hat: Sie veröffentlichte eine nummerierte Serie von thesenartigen Tweets – einen Twitter-Essay. Die Nummerierung macht deutlich, dass es sich um eine Folge von aufeinander aufbauenden Gedanken handelt. Oft werden die Tweets mittels „Antworten“-Funktion miteinander verbunden, manchmal nur durch einen Hashtag.

Joannechocolat veröffentlicht regelmäßig ihre „Ten Tweets about“

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Folge-Freitag, mal anders

Es ist natürlich kein gewöhnlicher Freitag, dieser 20. Januar. Der Amtseinführungs-Freitag, Inauguration Day. Andererseits: was ist denn schon ein „gewöhnlicher“ Freitag?

Unter Twitterern war der Follow Friday, an dem man seine Kumpels mit einer freundlichen Empfehlung ins Wochenende verabschiedet, lange eine liebe Gewohnheit. Angeblich hat den Trend mal ein Micah Baldwin begonnen, indem er den Hashtag #ff kreierte (Quelle: „The Twitter Book“ von Tim O’Reilly und Sarah Milstein). Bei der Follow-Friday-Empfehlung geht es darum, zu sagen: Folgt mal dem, der ist lustig. Oder: Folgt mal der, die hat’s drauf. Weiterlesen

„Tweetable Abstracts“ oder: Wie man prägnante Beschreibungstexte findet

Um Bücher oder andere Inhalte (etwa auf einer Landingpage) anzuteasern, braucht man einen „Pitch“ – und der soll nicht nur neugierig machen, sondern den potenziellen Lesern auch vermitteln, dass unser E-Book, unser Whitepaper etc. ihre aktuell wichtigen Probleme behandelt. Manchmal fällt es schwer, die Kernbotschaft an den Anfang zu stellen und wirklich in einem Satz auszudrücken.

Kleiner Tipp: Man kann sich abschauen, wie Wissenschaftler ihre Thesen komprimieren, um sie im Vorfeld oder während einer Konferenz auf Twitter zu „pitchen“. Forschungsfragen und Ergebnisse in maximal 140 Zeichen zu packen, ist eine Herausforderung. In dem folgenden Video erklärt die Biologin Erin Eastwood, wie das geht.

Tweetable Abstracts 101 von Society for Conservation Biology auf Vimeo.

Nette Beispiele finden sich auf dem Twitterkanal der Science Slams. Das sind Konferenzen, auf denen junge Wissenschaftler ihre Ergebnisse „spektakulär verständlich“ auf der Bühne präsentieren.

#Techno kann #Flugzeugabstürze verhindern.  (Eine Untersuchung darüber, wie man mit ‚Beats per Minute‘ Frühwarnsysteme für Flugzeuge entwickeln kann.)
Wollen Sie Pommes zu den Pommes? (Erläuterung eines Empfehlungssystems für Online-Shops.)
Computer, die auf Menschen starren (Über automatisierte Videoüberwachung.)
Oder mein Lieblingsbeispiel: Warum ist der Film immer doofer als das Buch? Miku Sophie Kühmel slamt ihre Bachelorarbeit  Transformationsanalyse zu Daniel Kehlmanns Selbstadaption von ‚Die Vermessung der Welt‘.