Tools to go

Vermutlich benutzen Sie schon lange keine mechanische Schreibmaschine mehr (oder haben noch nie eine benutzt, was wahrscheinlicher ist). Aber hängen Sie noch an der guten alten Textverarbeitung?

Nichts gegen Word – es ist immer noch die eierlegende Wollmilchsau, wenn es darum geht, Texte zu erstellen, zu überarbeiten und in Form zu bringen.
Mir jedenfalls fällt spontan in meinem persönlichen Arbeitsumfeld niemand ein, der nicht wenigstens die grundlegendsten Funktionen von Word (& Co.) bedienen könnte. Bei fortgeschrittenen Einsatzzwecken wie Formatvorlagen und Makros oder hinsichtlich zeitsparender Prüfroutinen fürs Lektorat macht dem Platzhirsch wohl kein anderes Universal-Textprogramm so leicht Konkurrenz.

Nur: Was ist mit dem spontanen Schreiben unterwegs? Wenn es stimmt, dass die neue Word-App für Besitzer eines neuen iPad Pro 10,5 oder 12,5 offenbar nur als Teil eines Office-365-Abonnements zur Verfügung stehen soll (zumindest wenn man damit Dateien erstellen und bearbeiten will), dürfte das nicht nur für Freude sorgen.

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Nun gibt es an Schreib-Apps für Tablet und Smartphone keinen Mangel. Gerade wenn es um schnelle Entwürfe geht, können sie sogar die bessere Wahl sein.

Manchmal können einfache Schreib-Apps sogar einzelne Aufgaben im Schreibprozess besser unterstützen, weil sie auf genau diese eine Funktion spezialisiert sind. Es ist wie mit allen Werkzeugen. Ob wir nun Aquarelle malen oder Wände weißeln: Manchmal klappt es gut, mit ein- und demselben Pinsel zu arbeiten, manchmal nimmt man lieber spezielle.

Was die meisten Tools für unterwegs gut können, ist natürlich, Notizen zu erfassen und als Entwurf für andere Anwendungen bereitzustellen. Damit dieser Austausch gut klappt, basieren viele auf einem reinen Textformat namens Markdown. Das hat seine Vor- und Nachteile (und darüber hatte ich an anderer Stelle schon geschrieben). Zum Beispiel ist es oft wichtig, dass Inhalte nicht in einem proprietären Format „gefangen“ sind, sondern woanders weiterbearbeitet werden können.

Während der vergangenen zehn Jahre hat sich das Schreiben in Markdown als zweite Kraft neben Rich Text etabliert. Aus einer kleinen Bewegung wurde ein Quasi-Standard für alle, die ihren Text vornehmlich als Inhalt sehen: Blogger, Journalisten, Schriftsteller.
(Marcus Fehn, Mitgründer von Ulysses, im Interview: Markdown für die Massen)

Markdown-basierte Schreibapps gibt es reichlich; hilfreich, zumindest was Texteditoren für iOS betrifft, ist die umfassende Übersicht von Brett Terpstra. Um sie verwenden zu können, muss man nicht Programmierer oder sonst wie Code-affin sein. In letzter Zeit punkten schön gestaltete Apps wie Bear mit einer benutzerfreundlichen Oberfläche und intuitiven Such- und Filterfunktionen.

Spezielle Textprogramme für Autoren bieten aber mehr: Zu organisieren sind ja nicht nur Text-Kapitel, sondern Zeichnungen, verschiedene Gliederungen, Fotos, Recherche-Dokumente, Webseiten, eine Zusammenfassung, oder auch schlicht eine Idee für ein super Cover, verworfene Abschnitte oder alte Versionen, Randnotizen. Schreibprogramme wie Ulysses und Scrivener punkten hier dadurch, dass sie Schreibprojekte als eine Kollektion kleiner Dateien verwalten, die aber alle an einem Ort (in der Cloud) zugänglich sind.

Klar – dies sind alles Werkzeuge für das individuelle Schreiben, die sich nicht umsonst bei Bloggern zunehmender Beliebtheit erfreuen. Nicht gedacht für gemeinschaftliche Textarbeit, zum Überarbeiten und Lektorieren. Da wird noch bis auf weiteres an irgendeiner Stelle die Übergabe an Word (& Co.), Content-Management-Systeme oder Online-Editoren wie Smashdocs erfolgen. Aber wer weiß; ich bin gespannt, was sich in der Richtung noch tun wird, wenn Apples iPad Pro das Tablet als Schreib-Maschine wieder populärer macht.