Brainstorming: Gemeinsam oder doch lieber einsam?

© Nicole Lücking, poasworld.de

Die gute alte Brainstorming-Methode kann helfen, kreative Lösungen für ein Problem zu finden.

Sie wird oft in Form einer Gruppendiskussion eingesetzt. Herauskommen soll eine Liste von Ideen, die zu einer Lösung führen können.

Aber ist die Methode in der Gruppe tatsächlich effektiv? Und funktioniert es wirklich besser in Präsenz – oder vielleicht virtuell ebenso gut?

Grundlegende Prinzipien des klassischen Brainstormings nach Alex Osborne sind bekanntlich:

  1. Quantität, nicht Qualität zählt.
  2. Kein Beitrag wird von vornherein abgelehnt.
  3. Alle Ideen werden aufgelistet und zwar so, dass jeder sie sehen kann.
  4. Die Teilnehmer können an die Ideen anderer anknüpfen.
  5. Diskussion und Analyse sind verboten.

Hier ein Beispiel, wie eine solche Runde idealerweise verlaufen soll (D.school Brainstorming-Regeln – YouTube) Die “Schauspieler” im Video sind Studierende an der einflussreichen Design Thinking School an der Universität Stanford. Die wichtigsten Punkte werden als Zwischentitel gezeigt, sodass es sich ganz gut nachvollziehen lässt, auch wenn man nicht alles versteht, was gesprochen wird.

Allerdings sind diese Regeln nicht immer leicht zu befolgen. Besonders Regel Nummer 2 und 5 – sich mit schnellen Urteilen zurückzuhalten und Ideen nicht gleich zurückzuweisen, wenn jemand etwas “Dummes” vorschlägt – erweisen sich in der Praxis oft als schwieriger als gedacht. Hier zum Ansehen das Beispiel, wie es NICHT gemacht werden sollte.

Aber ist das das völlige Ausblenden von Kritik wirklich so hilfreich? Führt das nicht doch zu ziemlich oberflächlichen Ergebnissen? Das fragt sich Journalist und Buchautor Jonah Lehrer und zerpflückt die “klassische” Methode Osbornes in einem Erklärvideo.

Eine weitere Falle ist Punkt 1. Viele hören auf, weiter nach Ideen zu suchen, sobald sie meinen, schon eine tragfähige Lösung gefunden zu haben. So beschränken sie sich auf das Offensichtliche und Naheliegende – und auf die wirklich bahnbrechenden Ideen kommen sie gar nicht erst.

Für eine gelungene Brainstorming-Session sollen noch weitere Punkte beachtet werden, auf die ich hier aber weiter nicht eingehen will: Rahmenbedingungen, Konstellation etc.

Letztlich zeigt die Erfahrung, dass individuelles Brainstorming – jede/r für sich im stillen Kämmerlein – tendenziell mehr und auch originellere Ideen hervorbringt als die klassischen Gruppen-Sessions. (Siehe auch die Präsentation von Stephen K. Mugford zu Auswirkungen der Gruppengröße auf die Diskussion und eine gleichwertige Beteiligung aller.)

Die besten Ergebnisse bringt es nach aller Erfahrung, wenn die individuellen Ideenlisten anschließend in die Gruppe eingebracht, geclustert werden und als Anregung für eine zweite Runde des Ideensammelns dienen.

Beides lässt sich mithilfe von Online-Tools wie Padlet oder Mural, die als virtuelle Pinnwände genutzt werden können, wunderbar auch verteilt bewerkstelligen. (Vgl. die Gegenüberstellung von digitalem Gruppen-Brainstorming versus Präsenz-Brainstorming in einer Stanford-Vorlesung.)

Zum individuellen Brainstorming kann sich bei vier Leuten jede/r in eine “Ecke” des Boards zurückziehen. Das Clustern und Ergänzungen passieren dann gemeinsam.