(K)Eine Stilfrage: Infotexte in Leichter Sprache

In der aktuellen Wochenend-taz findet sich ein Kommentar: Leichte Sprache braucht Kritik, der sich unter anderem auf kritische Feuilletonartikel in FAZ und in B.Z. bezieht. Hintergrund der Debatte ist die Tatsache, dass Behörden und Institutionen im Vorfeld der Bundestagswahl vermehrt Informationsmaterial in Leichter Sprache publizieren. Nicht zuletzt deshalb, weil sie im Sinne der Barrierefreiheit gesetzlich dazu angehalten sind. Den Text selbst gibt es auch in Leichter Sprache.

Journalisten sollten sich infor­mieren, bevor sie Leichte Sprache kritisieren.
Zum Beispiel über diese Fragen:
• Wer ist die Zielgruppe von Leichter Sprache?
• Was ist die Aufgabe von Leichter ­Sprache?
• Welche Geschichte hat Leichte ­Sprache?
Sonst können Journalisten Leichte ­Sprache nicht richtig bewerten.
Denn eines ist sicher:
Journalisten sind nicht die Zielgruppe.

Worum es geht und wer denn dann die Zielgruppe ist, das erläuterte kürzlich in einem Vortrag bei den Webgrrls Rhein-Main Claudia Fischer vom Social Franchise Network capito. Weiterlesen

Der Kongress twittert nicht

Diese Woche war ich auf der Internationalen Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer (kurz IDT) im schweizerischen Fribourg.

Die Veranstaltung – diesmal mit 1700 Teilnehmern aus über 100 Ländern – findet nur alle vier Jahre statt. Es gibt sie seit 50 Jahren. Eine ehrwürdige Institution also, die dieses Jahr in Vorträgen und Fachpodien über die Herausforderungen des Deutschunterrichts unter aktuellen Vorzeichen nachdachte. Migration und Integration, Mehrsprachigkeit und Sprachpolitik, digitaler Wandel.

Was den digitalen Wandel betrifft … Nun, eine Verbandstagung ist etwas ganz anderes als ein Barcamp und braucht vielleicht nicht unbedingt einen “Rückkanal”.

Aber ein bisschen gewundert hat es mich schon, dass in einer solchen Umgebung voll pädagogischen Fachpersonals so wenig auf Twitter los war. Weiterlesen

SciFi und das Ende der Gebrauchsanweisung

Die Bedienungsführung eines sogenannten Seniorentelefons hat mich neulich fast wahnsinnig gemacht. SCSM25

Unter Ergonomie verstehen die offenbar, dass die Tasten etwas größer sind und man es vor allen Dingen sehr laut stellen kann. Weswegen es die Tante angeschafft hatte. Beim Versuch, Telefonnummern der Verwandtschaft einzuspeichern und ihr bei der Gewöhnung an das neue Ding zu helfen, musste ich irgendwann die Herumtipperei in nicht selbsterklärenden Menüs aufgeben und tatsächlich die Bedienungsanleitung zu Hilfe nehmen.

Dann hat es aber natürlich noch eine ganze Weile gedauert, bis ich die richtige Stelle gefunden hatte. Ich glaube, das Verstehen von Gebrauchsanweisungen wird zu einer aussterbenden Fähigkeit, genauso entbehrlich wie die Gebrauchsanweisung selber.

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New Work im Fokus der diesjährigen Lektorentage

“Lektorat 4.0 – Die Zukunft der Arbeit für freie Lektorinnen und Lektoren“ ist das Motto der 16. deutschen Lektorentage, die vom 8.-10. September am Wannsee stattfinden. Welche Veränderungen bringt “das digitale Zeitalter” uns Textmenschen? Was kommt da auf uns zu und was genau soll dieses “New Work” sein?

Der VFLL (Verband der freien Lektorinnen und Lektoren) lädt im Rahmen seiner Verbandstagung unter anderem zu Podiumsdiskussion und Workshops ein.
Nicht im Kaffeesatz lesen, was die Zukunft wohl bringen könnte – zu den Lektorentagen kommen, sagt der VFLL. Recht so, die Anmeldung ist noch bis 20. Juli.
Sehen wir uns?

Bots klauen unsere Sprache. Oder so.

Transformer

Transformer – Marcelo Páez Bermúdez auf Flickr CC-BY-2.0

Unsere Schreib- und Kreativwerkzeuge rüsten sich unaufhaltsam mit künstlicher Intelligenz. Wird nun alles, was wir von uns geben, intelligenter – oder im Gegenteil vorhersagbarer, genormter, angepasster?

Individuelle Kreativität und Ausdrucksfähigkeit könnten verloren gehen, wenn wir dem “Auto-Vervollständigen” zu viel Raum geben, meint der Autor Mark Wilson (The Rise Of Auto-Complete Culture–And Why We Should Resist auf FastCo) und führt als Beleg zwei Anwendungen von Google auf.

  • Autocomplete: In Googles Mailclient schlägt die Funktion Gmail Smart Reply vorgefertigte Antworten wie “haha,” “lol,” oder “talk later” vor. Das ist verführerisch, weil es eben schnell und unkompliziert geht und anscheinend oft die sinngemäß richtige Botschaft ist. Um das zu leisten, wurden offenbar zuvor große Mengen an tatsächlicher Korrespondenz analysiert und daraus der durchschnittlich wahrscheinliche Dialogverlauf errechnet.
  • Autodraw: In dieser Google-Applikation braucht man bloß eine sehr simple Skizze zu zeichnen und Google macht daraus mittels künstlicher Intelligenz ein richtig gutes Clipart. “Sozusagen Adobe mit Auto-Vervollständigen-Formel.”

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