Gelesen: “This is not a book”

This is not a book

This is not a book ist ein Hypertext übers Lesen, Schreiben und Publizieren im Web, über Experimente mit neuen Formen und transmediales Geschichtenerzählen.

Vor etwa zwei Jahren taten sich Baldur Bjarnason (@fakebaldur auf Twitter) und Tom Abba (@tomabba) zusammen, um ein offenes Manifest übers Schreiben im digitalen Zeitalter zu verfassen. Beide sind Autoren, Webentwickler, Buchgestalter und beschäftigen sich seit vielen Jahren damit, wie das Büchermachen (und zwar „Bücher“ in jeder Form) geht.

Die kurzen Essays sind wunderbar dafür geeignet, sie Stück für Stück auf dem Smartphone oder Tablet zu lesen. Nebenbei haben die beiden auch eine Podcast-Reihe begonnen, die aber nur aus drei Episoden besteht. Weiterlesen

Schleifmaschinen-Marketing

Ich muss ja zugeben: Baumärkte finde ich toll.
Nicht weil ich die geschickteste aller DIY-Artistinnen wäre. Sondern wegen der fancy Bezeichnungen für unscheinbare Plastikteile (“Verteilerbaldachin”, Kleinteile-Magazin”, “Bodenhülsen-Set”). Und wegen der Flachbildschirme, auf denen Erklärvideos laufen. Wer wollte nicht schon immer wissen, wie man Tapetenkleister korrekt aufträgt oder in welchem Winkel der Farbroller zu halten ist?

Courtesy: Assembly App

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SciFi und das Ende der Gebrauchsanweisung

Die Bedienungsführung eines sogenannten Seniorentelefons hat mich neulich fast wahnsinnig gemacht. SCSM25

Unter Ergonomie verstehen die offenbar, dass die Tasten etwas größer sind und man es vor allen Dingen sehr laut stellen kann. Weswegen es die Tante angeschafft hatte. Beim Versuch, Telefonnummern der Verwandtschaft einzuspeichern und ihr bei der Gewöhnung an das neue Ding zu helfen, musste ich irgendwann die Herumtipperei in nicht selbsterklärenden Menüs aufgeben und tatsächlich die Bedienungsanleitung zu Hilfe nehmen.

Dann hat es aber natürlich noch eine ganze Weile gedauert, bis ich die richtige Stelle gefunden hatte. Ich glaube, das Verstehen von Gebrauchsanweisungen wird zu einer aussterbenden Fähigkeit, genauso entbehrlich wie die Gebrauchsanweisung selber.

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Bots klauen unsere Sprache. Oder so.

Transformer

Transformer – Marcelo Páez Bermúdez auf Flickr CC-BY-2.0

Unsere Schreib- und Kreativwerkzeuge rüsten sich unaufhaltsam mit künstlicher Intelligenz. Wird nun alles, was wir von uns geben, intelligenter – oder im Gegenteil vorhersagbarer, genormter, angepasster?

Individuelle Kreativität und Ausdrucksfähigkeit könnten verloren gehen, wenn wir dem “Auto-Vervollständigen” zu viel Raum geben, meint der Autor Mark Wilson (The Rise Of Auto-Complete Culture–And Why We Should Resist auf FastCo) und führt als Beleg zwei Anwendungen von Google auf.

  • Autocomplete: In Googles Mailclient schlägt die Funktion Gmail Smart Reply vorgefertigte Antworten wie “haha,” “lol,” oder “talk later” vor. Das ist verführerisch, weil es eben schnell und unkompliziert geht und anscheinend oft die sinngemäß richtige Botschaft ist. Um das zu leisten, wurden offenbar zuvor große Mengen an tatsächlicher Korrespondenz analysiert und daraus der durchschnittlich wahrscheinliche Dialogverlauf errechnet.
  • Autodraw: In dieser Google-Applikation braucht man bloß eine sehr simple Skizze zu zeichnen und Google macht daraus mittels künstlicher Intelligenz ein richtig gutes Clipart. “Sozusagen Adobe mit Auto-Vervollständigen-Formel.”

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Begleitetes Schreiben

Die Schreibmaschine der Zukunft ist ein intelligenter Textassistent, der Autoren alle ungeliebten Tätigkeiten im Schreibprozess abnimmt. So beschreibt der Interaktions-Designer und Autor Samim Wininger (samim), der sich selbst als “KI-Experimentierer” bezeichnet, in einem neuen Artikel auf medium die Anforderungen an moderne Textverarbeitung.

Remix: Assembly App

Der eigentliche schöpferische Vorgang, so Samim, wird in Zukunft viel mehr als bisher schon darin bestehen, Vorhandenes kreativ zu veredeln.

Kuratieren, Remixen, Transformieren  – das sind Tätigkeiten, bei denen Maschinen hervorragend einsetzbar sind.
Sie liefern den Rohentwurf, der von Autoren nur noch vollendet werden muss.

Für alle fortgeschrittenen Funktionen stehen digitalen Textarbeitern heute Werkzeuge zur Verfügung, und doch helfen diese Tools nicht bei grundlegenden Fragen: Wie schreibe ich gute Geschichten? Wo finde ich Inspiration? Wie überwinde ich Schreibblockaden? In diesen Bereichen hat sich das Schreiben jahrhundertelang nicht verändert: Der Mensch macht die kreative Arbeit, die Maschine druckt die Wörter.

Heute dagegen verändern neue Technologien grundlegend die hergebrachte Arbeitsteilung zwischen uns und unseren Schreibwerkzeugen.

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