Der digitale Buddy

Manche Firmen setzen bei der Einarbeitung neuer MitarbeiterInnen auf ein Buddy-System, das den Neulingen einen Kollegen oder eine Kollegin als Ansprechpartner für die ersten Tage oder Monate an die Seite stellt. Buddy, das bedeutet “Kumpel, Freund/in” und drückt aus, dass da jemand Gleichrangiger ist, der sich kümmert. Jemand, der zeigt, wo es langgeht (d.h. die wesentlichen internen Abläufe) und wie man sich in der unbekannten Kultur des neuen Unternehmens bzw. Teams am besten zurechtfindet.

© Nicole Lücking, poasworld.de

Dass aber so ein Buddy-Prinzip bei der Einarbeitung auch in neue digitale Werkzeuge hilfreich ist, hat sich, glaube ich, noch nicht so herumgesprochen. Dabei kann das besonders effizient sein. Und ich denke, nicht nur Ältere schätzen es, wenn sie jemand haben, den sie einfach fragen können. Statt sich alleine, bestenfalls mit YouTube, grummelnd heranzutasten.

„Ob ein Team erfolgreich ist, ist maßgeblich von der Kommunikationskultur abhängig”, meint Anneliese Breitner, Autorin von Being Social. Auf die digitalen Arbeits- und Kommunikationswerkzeuge, die zum Einsatz kommen sollen, müsse sich das Team einigen: „Über welche Tools tauschen wir uns aus, um Ideen zu generieren, Videokonferenzen abzuhalten, Diskussionen zu starten, Entscheidungen zu treffen?“

Aufgrund der inhaltlichen Dynamik in Projekten und der engen Zeitpläne würden sich Teams oft zu wenig Zeit nehmen, über die Optimierung ihrer Toolnutzung nachzudenken.

Dabei kann es systematisch die Kompetenz und Produktivität im Team erhöhen, wenn der Einsatz von digitalen Werkzeugen als Teil der Teamarbeit betrachtet wird – und dazu gehöre die Festlegung, wer wen aus der Gruppe als digitalen Buddy braucht, um die Tools rasch nutzen zu können. „Passiert dies nicht, bleiben unterschiedliche Vorbehalte gegenüber dem Einsatz von digitalen Tools zurück, welche die Zusammenarbeit erschweren.“

Vom Buddy-System profitieren beide Seiten, finde ich. Man könnte auch Lernpartnerschaft sagen: “Newbies” bauen schnell das nötige Wissen über ein digitales Tool und den effizientesten Umgang damit auf. Sie können aus den Erfahrungen des oder der anderen lernen und etwa auch Verhaltensregeln mitbekommen.

Dazu kommt im Idealfall

  • ein Austausch auf Augenhöhe, auch wenn der Buddy naturgemäß schon fortgeschrittener ist
  • informelle, praxisnahe Vermittlung statt irgendwelcher Kurse, zugeschnitten auf die Bedürfnisse des Teams
  • der Einstieg macht gemeinsam mehr Spaß
  • es gibt individuelle Unterstützung und Fragen können schnell beantwortet werden

Buddys, die Teammitglieder beim Start begleiten, könnten derweil ihren individuellen Wissensstand vertiefen oder eventuelle Lücken gemeinsam mit der oder dem „Neuen“ aufzufüllen. Zum Beispiel:

  • die Einarbeitung als Demoprojekt betrachten, um mehrere Lösungen zu testen
  • Software optimieren: Schritte durchspielen, die für andere Teammitglieder wichtig sind, etwa Hürden bei der Anmeldung – und so sehen, wo Anpassungsbedarf besteht
  • FAQs sammeln: festhalten, wo es hakt, um künftige Fragen schnell beantworten zu können

Mir gefällt die Vorstellung vom Kumpel (egal welchen Geschlechts), der einen einfach mal auf Entdeckungsreise mitnimmt. Jedenfalls besser als ähnliche Begriffe wie Einstiegshelfer, Patinnen, Lotsen, oder gar Super-User. Es hat etwa von “sich gegenseitig auf Stand bringen”. Und wie unter richtigen Kumpels kann es dann auch mal knirschen, finde ich – wenn beim Buddy etwa die Geduld nicht ganz reicht, um die x-te Frage zu beantworten oder beim Newbie der Nutzen des tollen Tools nicht so glasklar rüberkommt …

 

Leseempfehlung:

Breitner, Anneliese: Teamarbeit + +. In: Das neue Arbeiten im Netz (2015); Hg: M. Akin-Hecke, D. Röthler – leitfaden.werdedigital.at, S. 42-46. CC-BY-SA 3.0