Der Kongress twittert nicht

Diese Woche war ich auf der Internationalen Tagung der Deutschlehrerinnen und Deutschlehrer (kurz IDT) im schweizerischen Fribourg.

Die Veranstaltung – diesmal mit 1700 Teilnehmern aus über 100 Ländern – findet nur alle vier Jahre statt. Es gibt sie seit 50 Jahren. Eine ehrwürdige Institution also, die dieses Jahr in Vorträgen und Fachpodien über die Herausforderungen des Deutschunterrichts unter aktuellen Vorzeichen nachdachte. Migration und Integration, Mehrsprachigkeit und Sprachpolitik, digitaler Wandel.

Was den digitalen Wandel betrifft … Nun, eine Verbandstagung ist etwas ganz anderes als ein Barcamp und braucht vielleicht nicht unbedingt einen “Rückkanal”.

Aber ein bisschen gewundert hat es mich schon, dass in einer solchen Umgebung voll pädagogischen Fachpersonals so wenig auf Twitter los war.

Ich bin während der Vorträge aber auch selber gar nicht auf die Idee gekommen, irgendetwas zu twittern.

Wobei – warum nicht? Schließlich hat es ja gar so schöne Formulierungen gegeben, die ich mir notiert habe.

Vielleicht muss man bei einigen etwas mehr ausholen, um den Hintergrund zu erklären…

Über Didaktik

Fließend falsch sprechen ist der große Fortschritt gewesen gegenüber ‘wir reden gar nicht’

Dietmar Rösler bei seinem Grammatikvortrag, über die “große kommunikative Wende” der 70er Jahre

Manchmal habe ich das Gefühl, das Interessanteste an der Didaktik ist ihre Geschichte

Raphael Berthele in seinem Vortrag “Sprachliche Heterogenität und Schule. Überlegungen zum erfolgreichen Scheitern sprachpädagogischer Innovationen”. (Nicht nur mein persönliches Highlight der Konferenz und voller tweetverdächtiger Statements.)

Über Lernerautonomie

Autonomie ist nicht einfach ‘Lernen ohne Lehrer’, in der Debatte wird mit vereinfachten Begriffen gearbeitet (…) Der Autonomiebegriff in der Didaktik ist nicht genügend reflektiert. Es ist überhaupt der falsche Begriff für das, was wir alle wollen: auf Einzelne eingehen, dass Unterricht Spaß macht, dass es relevante Inhalte sind

Barbara Schmenk über “Autonomie im Zeitalter der Handlungsorientierung”

Über Laien und Profis

Wir haben angefangen mit lokalem Bezug – ‘wir sitzen hier in Werheim, was ist relevant?’ – und mit Material. Nicht mit Lernzielen, denn da sind die meisten schon nach Hause gegangen

Martina Schäfer vom Goethe-Institut über das FEELS-Projekt zur Fortbildung von ehrenamtlichen Sprachhelfern

 

Sollen Ehrenamtliche auch Deutsch lehren? Unterstützen wir das als Profis?

Christine Fester über die Erfahrungen mit ehrenamtlichen Lernbegleitern beim VHS-Portal Ich will Deutsch lernen. Hintergrund ist: Ehrenamtliche, zumal 50+, haben die Entwicklung der Fremdsprachendidaktik der letzten Jahrzehnte nicht mitbekommen, kennen Lernen nur aus eigener Schulerfahrungen und messen Selbststeuerung, Vermittlung von Lernstrategien keine Bedeutung bei.

Warum sieht man im Käse nur die Löcher?

Silke Ghobeyshi beim Pitch für ihre Posterpräsentation “Zwischen Autonomieförderung und Bevormundung? Sprachunterricht mit erwachsenen Geflüchteten”