Ein Diagramm zum Projektstart

Als Redakteurin arbeite ich oft auch mit anderen „Freien” – Autorinnen und Autoren, Grafik, Korrektorat, … Schließlich ist das Büchermachen kein Ein-Personen-Job.  Alle arbeiten selbstorganisiert, halten sich an gegebene Terminzusagen und ToDos und wir wissen, dass wir uns auf einander verlassen können. Oder?

Ich denke, Terminpläne und ToDos sind prima, aber sie zeigen doch gerade bei neuen Projekten nicht die “weichen” Unsicherheitsfaktoren. Kommunizieren wir genug? Was kann passieren, wo muss man Knoten lösen, was passt bei der Zeitplanung nicht?
Um die Unsicherheitsfaktoren auf den Punkt zu bringen, kann man Mindmaps und ausgefeilte Visualisierungen erstellen – oder ein schlichtes Diagramm wie das Folgende nutzen.mehps
Ich nenne es Mehps, seit ein Besucher den Nachbarn in bestem Bayerisch erklärte, mithilfe eines Programms namens “Gugl Mehps” die Orientierung wiedergefunden zu haben … Mehps kann aber auch für Mehrperspektiven-Skizze stehen.

Es ist eine Variante des Perspektivendiagramms, wie es Gabi Reinmann in ihrem Buch Wissenswege für das persönliche Wissensmanagement empfiehlt: als Hilfsmittel, mit dem sich ein persönliches „Wissensportfolio“ visualisieren lässt.

Aber es ist genauso gut nutzbar, um in sehr reduzierter Form gemeinsames Wissen darzustellen und zu strukturieren.

Vorwissen
Hier geht es um eine Bestandsaufnahme: Was haben wir schon, vielleicht aus ähnlichen Projekten? Das könnten, je nach Kontext, zum Beispiel sein:

  • Checklisten für die inhaltliche Überarbeitung
  • Abkürzungslisten, Glossare
  • Erfahrungsberichte von Kollegen
  • Wiki-Einträge

Offene Fragen

Hier lassen sich Wissenslücken seitens der Auftragnehmer identifizieren, die sich nun gezielter schließen lassen, auch hier nur grobe Beispiele:

  • Womit haben wir weniger Erfahrung
  • Wo braucht es spezielle technische Unterstützung
  • Wie viele Änderungen/Korrekturläufe sind zu erwarten
  • Wie halten wir uns gegenseitig auf dem Laufenden

Negative Erwartungen

Hier versuche ich aufzuführen, was bremsen oder das Projekt aus dem Ruder laufen lassen könnte (ohne bis ins Kleinste für alle Eventualitäten planen oder gar Gegenmaßnahmen einplanen zu wollen). Was es im Einzelnen ist, ist natürlich auch wieder von Fall zu Fall verschieden.

  • Wo ist vielleicht ungeplanter Mehraufwand zu befürchten
  • Kommen wir mit dem Budget für Lizenzen hin
  • Wie schaffen wir es, die Inhalte aktuell zu halten

 

Positive Erwartungen

Für eventuelle Durchhänger ist es nicht schlecht, sich vor Augen zu führen, was mich (oder uns)  eigentlich an dem Projekt interessiert, wo wir uns besonders einbringen können:

  • Wo erwarten wir Synergien? Ergänzen uns gegenseitig?
  • Spaßfaktor, neue Kompetenzen,

Was bringt ein solches Diagramm? Man sollte nicht das Ziel haben, “Unsicherheit und Komplexität in Projekten” managen zu wollen. Eher geht es darum, eine Kommunikationsebene jenseits der Terminpläne und ToDos aufzubauen und gemeinsame Lernprozesse anzustoßen. Dann wird beim nächsten Mal die Zusammenarbeit vielleicht noch besser.

2 Gedanken zu „Ein Diagramm zum Projektstart

  1. Das Perspektivendiagramm finde ich sehr interessant. Es soll gemeinsam erstellt werden, wenn ich es richtig verstehe und jede/r trägt seine eigenen Fragen, Erwartungen etc. ein. Wie wird das nun konkret gemeinsam eingesetzt? Gibt es eine Vorlage, die alle online bearbeiten können? Oder werden für die einzelnen Felder weitere Dokumente, Checklisten etc. erstellt, die man zusammen online ausfüllen kann?

    • Das Diagramm sehe ich mehr als eine grundsätzliche gedankliche Hilfe für jeden Einzelnen, diese Punkte zu benennen und für sich zu visualisieren. Beim Zusammentragen finde ich es am praktischsten, linear in einem Pad unter diesen vier Hauptpunkten zu schreiben, da die Listen unterschiedlich lang sein können.

Kommentare sind geschlossen.