Ein Selbsthilfe-Guru und seine Ratschläge für “Publishing 3.0”

James Altuchers Bestseller “Choose Yourself” verkaufte sich bisher eine halbe Million Mal und stand in verschiedenen Amazon-Rankings weit oben. Er spricht darin die neue Arbeitswelt an: Jobs brechen weg, alle wollen mit Freelancern oder temporären Beschäftigten arbeiten – also, so die Botschaft, suche dir eine Nische und bearbeite diese entrepreneurisch

Der Bestseller katapultierte ihn in eine Liga mit Größen wie Tim Feriss, auch wenn er selber sich nicht als “Selbsthilfe-Guru” sieht. Er erteile anderen keine Ratschläge, so Altucher, sondern schildere nur sein eigenes Scheitern und was er aus seinen Fehlern gelernt habe. “Advice is autobiography”.

Neben seinen Büchern betreibt Altucher einen erfolgreichen Podcast und einen Blog. Sein meistgelesener Blogartikel trägt die Überschrift How to Self-Publish a Bestseller: Publishing 3.0.

I’ve written before about publishing and self-publishing. But mostly it’s been how I lost money on every book I’ve written. This is the first time I can say I’ve published a good selling book and here is what I did.

Was ist Publishing 3.0?

In Altuchers Definition bedeutet 1.0, sein Buch bei einem Verlag unterzubringen, 2.0 war Selfpublishing, das mittlerweile sein Stigma komplett verloren habe. 3.0 ist das Buch als Businessmodell im Selbstverlag, aber dies sehr gezielt und planvoll.

 

The distinction now is no longer between “traditional publishing” versus “self-publishing.” The distinction now is between professional versus unprofessional publishing.

Letzteres sei wesentlich lukrativer. Es gehe zudem viel schneller als in einem traditionellen Verlag und nicht zuletzt – man habe komplett die Fäden selbst in der Hand und sei nicht abhängig vom “Urteil eines 22-jährigen Praktikanten” in einem Verlag. Self-Empowerment, wie auch sein Buch es propagiert.

Was versteht James Altucher unter professionellem Selfpublishing?

  • Wie ein Verleger zu agieren und die Leistungen, die nicht das Schreiben selbst betreffen, extern einzukaufen.
  • Mit Profis – Agenturen und Freelancern – aus dem Marketing, Lektorat und Buchdesign zusammenzuarbeiten.
  • Und sich hier gezielt diejenigen zu suchen, die vergleichbare Titel zu Bestsellern gemacht haben.
  • Gleich an die internationale Vermarktung zu denken und eine gut vernetzte Foreign-Rights-Agentur einzuspannen.

Choose Yourself

Dieses Vorgehen entspricht ganz dem Motto “Choose Yourself”– auch wenn andere dich ablehnen, sei überzeugt von deiner Botschaft und bringe diese gezielt unter die Leute. Zu den Maßnahmen, die Altucher aufzählt, gehören:

  • E-Mail-Marketing, und zwar professionell betrieben durch eine einschlägig qualifizierte Agentur. Über diesen Kanal können dann auch Bundles aus den bisherigen (nicht so erfolgreichen) Büchern, dem neuen Buch und weiterem bisher unveröffentlichtem Material vertrieben werden.
  • Eine “Geld-zurück-Garantie” für jeden, der nachweisen kann, das Buch komplett gelesen zu haben – marketingtechnisch ein kluger Schachzug. Die meisten E-Books werden nicht komplett gelesen, und die rückerstatteten Beträge hielten sich in Grenzen (ungefähr entsprechend der Zahl an Büchern, die er sonst gratis abgegeben hätte).
  • Immer zusätzlich ein Hörbuch und eine Printversion planen. Beides professionell produziert. Das E-Book bekommt eine ganz andere Wertigkeit.
  • PR-Idee: Vorab-Subskription per Bitcoin. So war er der Erste, dessen Buch auf diesem Wege (statt auf Amazon) vorbestellt werden konnte – ganz im Sinne der neuen digitalen Arbeitswelt.

Und 4.0?

Interessant wäre zu sehen, was passiert, wenn Leute wie James Altucher das Publishing 4.0 entdecken. 4.0 hieße, noch stärker Algorithmen und das Internet der Dinge einzubeziehen:

  • Maschinen, die natürliche Sprache verstehen und Textvorschläge machen.
  • Roboter, die Lektorat und Gestaltung übernehmen (hoffentlich nicht so bald!).
  • Einbeziehung der Netzwerke und der Plattformen für das Outsourcen von Tätigkeiten: Also die Teile, die aus Gründen der Individualität und Kreativität von Menschen statt Maschinen bearbeitet werden sollen, über Plattformen wie Upwork & Co. zu vergeben.

Und vielleicht müssen die Menschen das Werk dann auch gar nicht mehr lesen, weil ihnen die Maschinen auch diese Arbeit abnehmen.