Richard Feynmans Methode, besser zu lernen

Nein, hier geht es nicht um Physik. Feynman (der übrigens die Geisteswissenschaften verachtete und von Frauen in der Wissenschaft wenig hielt) war unbestritten ein genialer Physiker. Und nach Meinung einiger Kollegen mindestens so klug wie Einstein, nur nicht ganz so berühmt. Aber was die Popularität des Nobelpreisträgers bis heute ausmacht – neben vielen anderen Dingen, die hier keine Rolle spielen: Er war auch ein großartiger Erklärer. Und das wohl nicht zuletzt deshalb, weil er selber sich in neue Wissensgebiete einzuarbeiten pflegte, in dem er sie sich selbst erklärte.

Kursmaterial, DIY

1935, im ersten Studienjahr am MIT: Quantenmechanik interessiert den jungen Richard brennend. Aber das Gebiet ist neu, es gibt keinen Kurs, kein Curriculum und kein Studienfach. Also besorgt er sich alle Bücher, die er finden kann, und schreibt sich seine Lernmaterialien sozusagen selbst.

Ob die Methode, die unter anderem in diesem Video beschrieben wird, wirklich in der Form auf Feynman zurückgeführt werden kann oder nicht  – nun ja. Zumindest behauptet es sein Twitter-Account ;-). Das Ziel: einen verständlichen Beschreibungstext für eine komplexe Materie zu formulieren – ob es nun um Mathematik, um aktuelle Buzzwords und Trends oder um sonstiges Fachwissen geht.

Kurz gefasst: Vorgehen in vier Schritten

  1.  Den Titel des Konzepts oben auf ein Blatt Papier schreiben.
  2. Eine Erklärung für das Konzept ausformuliert darunterschreiben. Sich dabei jemanden vorstellen, die oder der noch nie von dem Thema gehört hat. Am besten ausarbeiten und nicht nur Stichpunkte aufschreiben, oder aber gleich versuchen zu visualisieren (Strichmännchen und Pfeile, Ablaufskizzen, Organigramm …)
  3.  Die (Wissens-)Lücken, die man beim Schreiben entdeckt, füllen. Dazu Recherchematerial/Fachliteratur nutzen – oder einfach andere fragen. Das Nützlichste überhaupt ist, sich das Fehlende erklären zu lassen: Also an schwierigen Stellen beispielsweise Interview-Fragen notieren, die man jemandem dazu stellen will. In Communities fragen. (Es gibt eine vermeintliche, aber nicht immer zielführende Abkürzung: Erklärvideos ansehen.)
  4. Satz für Satz durchgehen. Wenn man feststellt, dass etwas zu umständlich oder abstrakt formuliert ist: umformulieren, versuchen einfachere Begriffe oder auch eine Analogie zu finden. Prüfen, ob vielleicht ein Fremdwort durch ein anderes Fremdwort erklärt wird …

Eine übliche Vorgehensweise wäre ja, neue Begriffe und Konzepte erst einmal bei Wikipedia nachzuschlagen oder zu ergoogeln – so weit, so gut. Aber es hilft nicht beim Lernen, wenn man sich dann relativ rasch damit zufriedengibt. Dagegen können wir mit der “Feynman-Methode” systematisch Wissenslücken eingrenzen. Schließlich geht es darum festzustellen, ob ich einen Sachverhalt tatsächlich verstanden habe. Und wo genau ich ansetzen muss, um tiefer in das Thema einzusteigen.

Auch im Zeitalter der überall verfügbaren Informationen und des Lernens in Netzwerken bleibt dies doch mit die wichtigste Kompetenz, die man aufbauen kann: Sich selbst und dann auch anderen etwas verständlich zu machen.

 

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ZUM WEITERLESEN:

Colin Marshall: Richard Feynman’s “Notebook Technique” Will Help You Learn Any Subject – at School, at Work, or in Life. Open Culture, 3.4.2017 (zuletzt abgerufen am 19.4.2018)