Gelesen: “This is not a book”

This is not a book

This is not a book ist ein Hypertext übers Lesen, Schreiben und Publizieren im Web, über Experimente mit neuen Formen und transmediales Geschichtenerzählen.

Vor etwa zwei Jahren taten sich Baldur Bjarnason (@fakebaldur auf Twitter) und Tom Abba (@tomabba) zusammen, um ein offenes Manifest übers Schreiben im digitalen Zeitalter zu verfassen. Beide sind Autoren, Webentwickler, Buchgestalter und beschäftigen sich seit vielen Jahren damit, wie das Büchermachen (und zwar „Bücher“ in jeder Form) geht.

Die kurzen Essays sind wunderbar dafür geeignet, sie Stück für Stück auf dem Smartphone oder Tablet zu lesen. Nebenbei haben die beiden auch eine Podcast-Reihe begonnen, die aber nur aus drei Episoden besteht.

Vielleicht liegt es daran, dass der Text nicht so oft zitiert oder debattiert wurde, wie sich das die Autoren gewünscht haben. Dabei ist es ein Manifest, wie es sein soll: Ein bisschen Provokation, gute Beispiele, zugespitzte Statements. Und geschliffene Sprache, die darauf ausgelegt ist, zitiert zu werden.

This place. This point where you are looking around and poking your way through digital media. You don’t get here without an essential curiosity—a compulsion to chip away at the unexplored and to wander into the dimly lit unknown.

Ums Buch als solches, ob es nun die Form eines E-Books annimmt oder eines Objekts aus Papier, geht es dabei gar nicht. Das wird schon ganz zu Beginn klar. Nein, das Thema sind die Geschichten, die sich transmedial ganz anders erzählen lassen als zuvor. Und Geschichten sind für Bjarnasson alle digitalen Artefakte (außer Spielen), die per Hyperlinks miteinander verbunden sind – also Hypertext.

Facebook’s a story. Twitter’s a story. Blogs are stories. Every website, every app, every chat platform, they’re all hypertext and they are all stories.
That most of these are also conversations doesn’t make them any less hypertextual because hypertext is fundamentally conversational.

Und die Leser? Für sie bedeutet der Wechsel des Mediums einen fundamentalen Wandel im Leseverhalten.

They expect reading and writing to be two sides of the same coin, more intermingled and intertwined than they ever were in print.

Was das Schreiben angeht, findet sich ein bisschen „Ratgeber“ dabei, nicht betulich, sondern anstupsend, wie es sich für ein ordentliches Manifest gehört.

Publish things more often than you’d like—if you aren’t at least slightly embarrassed by what you put out, you’re waiting too long—but make sure it’s valuable to your audience

Das Kapitel Find Your Team handelt beispielsweise davon, wie Autorinnen und Autoren heute Testleser finden: Nämlich gar nicht. Ganz im Gegenteil, sie sollen sich finden lassen. Von Leuten, die einem beim Schreiben nicht nur über die Schulter schauen, sondern auch mit Rat zur Seite stehen.

Don’t ask for help. Show people how they can help.

Ein Verweis auf Austin Kleons Bestseller Show your work, der zeigt, wie man die eigene Arbeit als unfertigen Prozess öffentlich macht – um so „das Interesse von Leuten zu wecken, die wissen wollen, was du tust“.

Make work. Make it badly, and make it well. Make it with the few tools you know how to use, and make it with the tools you’re just learning to use. (…) Learn incrementally, and learn in public. Get better and figure out what it is that you want to make.