Interaktive Bastelstunde, oder: Wie geht “Design Thinking”?

“Design Thinking” ist ja so ein Begriff, der im Zusammenhang mit Innovation, neuen Wegen des Lernens und kreativen Problemlösungen oft genannt wird. Die Idee hat mich begeistert, seit ich vor Jahren einen Vortrag des IDEO-Mitbegründers Tom Kelley gehört habe. Jetzt war Gelegenheit, die Methode einmal selber auszuprobieren: Daniel Bartels Workshop Design Thinking – Hands-on! gestern in München.

Design Doing. Machen ist das Wichtige.

Daniels Einführung ins Thema war hervorragend, trotzdem musste man erst einmal den kompletten Entwicklungszyklus selber ausprobiert haben, um wirklich zu verstehen, wobei es beim Design Thinking geht. “Hands on” eben.

Eines der Prinzipien dabei ist, möglichst unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen einzubeziehen. Eine Grundvoraussetzung, um Scheuklappen abzulegen und schnell auf gute Lösungen zu kommen.

So auch bei unserem Workshop: 18 Teilnehmer unterschiedlichster Profession, die hauptsächlich die Neugier und die Lust am Experimentieren verband.

Die Herausforderung: “Entwickle etwas Praktisches und Bedeutungsvolles für deinen Partner”.
In der Kürze der Zeit konnte natürlich nicht der komplette Gruppen-Prozess abgebildet werden. Stattdessen haben wir uns in Zweiergruppen der Aufgabe gestellt, eine Geldbörse für den jeweils anderen zu kreieren.

Ach, du liebe Zeit!

Bei der Design Thinking Methode wird strengstens auf die Zeit geachtet. Alle Phasen verlaufen unter ziemlichem Zeitdruck. Aber – Produktentwicklung in einer knappen Stunde: Geht denn das? Tatsächlich, innerhalb von 5 Minuten gelang es jedem, mehr als fünf “radikale” Lösungen zu brainstormen. Und was ich vorher nie für möglich gehalten
hätte: Innerhalb von 7 Minuten mit Schere, Stift, Bastelmaterial und Klebstoff einen funktionierenden Prototypen herzustellen.

Der Standpunkt der Anderen

Der “menschenzentrierte” Ansatz des Design Thinking verlangt es, sich in die Person hineinzuversetzen, für die man etwas entwickeln möchte. Empathie wird darum die erste Phase im Designprozess genannt. Ein beeindruckendes Beispiel (von Daniel zitiert): Wie sich Studenten in die Rolle von Krankenhauspatienten begaben, – und entdeckten, dass diese den lieben langen Tag nur die triste Zimmerdecke sehen. Was vorher natürlich keinem Klinikarchitekten in den Sinn kam.

Und auch meine Geld-Tasche für die “Kundin” geriet nach der Empathie-Phase komplett anders als der allererste Entwurf einer “idealen” Geldbörse. Der entstand nämlich noch ohne ihren Lebensstil, ihre Ziele und Wünsche zu kennen.

Chaos und Aufräumen

“Montessori-Schule für Große” nannte es einer der Teilnehmer. Sinnbildlich fürs unzensierte Brainstorming stand das Chaos, welches durch hektisches Wühlen und Grabbeln in der Bastelkiste entstanden war. Und genauso wie dieses Chaos am Ende durch das gemeinsame Aufräumen beseitigt wird, so ist es auch wichtig, die Ideen schnell ordnen, zusammenfassen und ausmisten zu können. Nicht jede Idee kann weiterverfolgt werden. In der Gruppe muss man halt damit leben, dass die eigene Idee nicht durchkommt.

PS: Ein bisschen innerlich geschmollt habe ich dann doch, als meine Lieblingsidee (eine essbare Tasche aus Hafer für die Pferde der Kundin) nicht in die engere Wahl für die Weiterentwicklung kam.