Lesetipps: Langsamkeit, Fokus und Hirnauslüften

Wird Entschleunigung und bewusster zeitweiser Verzicht auf digitale Vernetzung zum Luxus, den man sich leisten können muss? Ist “Analog das neue Bio”, wie vor einiger Zeit propagiert wurde? (Nein, ist es nicht.) Die Bio-Metapher taugt nur in dem Sinne, dass Verzicht auf sinnlosen Konsum, wie bei der Ökobewegung, einen bewussteren Umgang mit den Ressourcen fördern kann.

“Analog” und “Digital” sind längst keine vernünftigen Kategorien mehr, um unseren Alltag zu beschreiben. Aber vielleicht gehört zur Vernetzung und Zukunftsgewandtheit durchaus die Fähigkeit, sich immer mal zurückzuziehen, um die mentalen Batterien aufzuladen und dem Gehirn zu erlauben, auch mal Dinge zu verarbeiten.

So verstehe ich die Welle an Veröffentlichungen vom National Geographic (This is Your Brain on Nature) bis zum ZEIT Magazin (“Wie die Natur gesund und glücklich machen kann“), in denen der Zusammenhang von bewusster Wahrnehmung der natürlichen Umwelt und Konzentrationsvermögen thematisiert wird.

Einen anderen, bewussteren Umgang mit der Zeit, Aufmerksamkeit und den Medien fordert Jörg Blumtritt, einer der Autoren des Slow Media Manifests von 2010, in seinem Artikel “Slow Media 2017”. Auch ihm geht es nicht um das völlige Raushalten aus dem Digitalen:

Anders als die Fastfoodmedien der letzten zehn Jahre werden Slow Media ein inhaltliches Konzept tragen und sich nicht lediglich als technologische Plattform definieren, unter Ableugnung jeder politischer und sozialer Verantwortung. Aber sie werden eine sozial gestützte Kultur vertreten, die auch Technologie positiv einbezieht, statt sie zu verdammen und zu bekämpfen. (Link)

Anders als im ursprünglichen Manifest ist nicht mehr von der Beteiligung der Leserinnen und Leser die Rede. Optimistisch gedacht: Ob sich eine Entschleunigung auch auf den Dialog, die Kommentare und Diskussionen zu den Themen auswirken könnte? Mehr Nachdenken. Auf Inhalte Bezug nehmen. Auch mal zu Ende lesen, bevor man kommentiert …

Aber um nochmal auf das Thema vom Anfang, KonZENtration, zu kommen: Ebenfalls vor 7 Jahren veröffentlichte Leo Babauta sein einflussreiches Manifest Focus – A simplicity manifesto in the age of distraction und seitdem ist viel über den Zusammenhang von Verzicht (“Minimalismus”) und Aufmerksamkeit diskutiert worden. (Witzig übrigens Penelope Trunk, die meint, Simplicity is lifestyle porn.) Es muss wohl kaum erwähnt werden, dass die Zen Habits ohne die Fastfoodmedien nie so viel Verbreitung gefunden hätte. Was Babauta heute macht? Eine Veränderungs-App entwickeln, natürlich …

Also, ich gehe jetzt zu einem Picknick im Park. Ob ich das Smartphone zu Hause lasse? Mal sehen.