Nach dem MOOC ist vor der re:publica

Wenn ich erklären soll, was die re:publica ist, fallen mir als erstes Begriffe ein wie Bloggertreffen, Versammlung der “Netzgemeinde” – das sind ja gängige Beschreibungen, dabei lässt sie sich gar nicht so leicht erklären.
Und erklären musste ich tatsächlich öfter, weshalb ich hinreise. Es ist ja nicht so, als ob tout Berlin völlig aus dem Häuschen wäre, dass die Konferenz stattfindet, das sieht nur aus der Provinz oder Nabelschau so aus. (Berliner lachen dich aus. Es ist immer so viel los dort.)
Jenseits des Hypes kann man die Konferenz als Fortbildung betrachten, eine Art Massive Open Course, der sich insofern nahtlos an den MOOC zur Arbeit 4.0 anschließt. Die re:publica widmet dem Thema “Zukunft der Arbeit” einen eigenen Track und verspricht es “abseits der Buzzwords” zu beleuchten.
 Abseits dieses Tracks habe ich mir  ein paar andere “Bildungshappen” gesucht und daraus meinen individuellen Sessionplan zusammengestellt:

The Fourth Revolution (Montag, 2. Mai 2016 -13:30 bis 14:30 Stage 5)
Der Philosophieprofessor Luciano Florida unterhält sich mit verschiedenen Gesprächspartnern, darunter Edward Snowden, über die  »Infosphäre«, den Zugang zu und die  Verbreitung von Informationen. Die Session verspricht  Visionen für das digitale Zeitalter.
Dazu passt anschließend:
Dezentral, vernetzt und nachhaltig – Ideen für eine bessere Klimawelt (Stage 4 Montag, 2. Mai 2016 -14:45 bis 15:45)
 Wie kann es gelingen, die Energieversorgung auf Basis erneuerbarer Energien digital zu steuern, Mobilität neu zu denken, Lebensmittel nachhaltig zu erzeugen und effizient zu verteilen?

Sehr gespannt bin ich auf Richard Sennet. Der Soziologe und bekannte Autor spricht über die Makerkultur, Offene Systeme und “Bedingungen der Zusammenarbeit”: The City as an Open System ( Stage 1 Montag, 2. Mai 2016 -16:00 bis 17:00)

Im Ankündigungstext zur Session Coding, Hacking und Digital Literacy als Basis eines offenen Internets (Montag, 2. Mai 2016, 17:15 bis 18:15 Stage 7) heißt es: “Programmieren ist so wichtig wie Lesen und Schreiben, um die Welt mitzugestalten. Zu dieser Digital Literacy mündiger Bürger gehört auch das Hacking, also das Zweckentfremden von Technologien”. Na dann: “Weg mit der Ehrfurcht vor der Technik. Ran an die Tastaturen”. Das  klingt doch vielversprechend. Unter anderem zeigt Laura Laugwitz, Mitglied im Orga-Team der Rails Girls Berlin, Wege ins und aus dem Programmieren.

Das Thema “Open” zieht sich als einer der roten Fäden durch alle Diskussionen um  Innovation und neue Netzwerke. Hier verspricht es aus einem ungewöhnlicher Blickwinkel betrachtet zu werden:

Recipes for Digital Revolutionaries: Flavours from the South (Montag, 2. Mai 2016 – 18:30 bis 19:30 Stage J)
 Kochbücher als handfeste Anleitungen für Aktionen, um “gemeinsam das Web zu formen, das wir wollen”. Kreativ hört es sich schon mal an. Jeder Teilnehmer am Workshop soll  ein eigenes Activism Cookbook mitnehmen können, das neun Rezepte zum Ausprobieren daheim enthält.
Ob ich danach motiviert bin, an einem Ideathon teilzunehmen – also einer Art Gruppen-Sprint zum Generieren innovativer Ideen?

 

Diverse Sessions drehen sich um das Thema Plattformen, um die Sharing Economy mit ihren Ambivalenzen.

Zum Beispiel ist ein Blick hinter die Kulissen von Clickworking-Plattformen angekündigt. (Wie) ist es möglich, dass sich die digitalen Tagelöhner der Gig Economy organisieren?

Als Gegenmodell:
HOW PLATFORM COOPERATIVISM CAN UNLEASH THE NETWORK  und

FAIRE PLATTFORMÖKONOMIE – GEHT DAS?

Und schließlich, eine ganz andere Art von Plattform-Kooperation:
Eine beeindruckende Initiative ist Rekrei, ein Projekt, das verlorene Kunstschätze über eine Crowdsourcing-Plattform virtuell rekonstruiert. Dank weltweiter Beteiligung kommt das Projekt ohne institutionelle Finanzierung aus.

CROWDSOURCING THE RECONSTRUCTION OF LOST HERITAGE

 In einem Workshop im MakerSpace lässt sich dazu lernen, wie aus einer Vielzahl von Bildern 3D Modelle entstehen und wie man damit virtuelle Galerien erstellt.