Notizen organisieren, analog-digital

Notieren, aufschreiben, schriftlich fixieren … Anscheinend eine Hauptbeschäftigung des Menschen, sobald er – oder sie – lesen und schreiben gelernt hat. War schon bei den alten Römern mit ihren Wachstäfelchen nicht anders.
NotizenGefühlt genauso alt ist die Überlegung: analog oder digital oder beides? Wie soll man die Infoschnipsel organisieren, um den Überblick behalten und das Benötigte rechtzeitig wiederfinden zu können?

Wie wahrscheinlich die meisten von euch habe ich Verschiedenes ausprobiert, was so an Notizbuchregeln und Empfehlungen zu finden ist. Hier stelle ich drei populäre oder vielleicht weniger bekannte Methoden vor. 

Ich denke, das Wichtigste ist, sich darüber klar zu werden, welche Art von Notiz man wo aufbewahrt und sich für ein System zu entscheiden, das man eine Weile durchhält. (Besonders Strukturierte notieren sich natürlich auch diesen einmal gefundenen Prozess, um sich daran orientieren zu können – ein schönes Beispiel hier.)

1. Bullet Journal

In letzter Zeit wieder populär geworden ist das Bullet Journal, ein analoges System, das Tagebuch, Notizbuch, Skizzenbuch in einem ist. Ryder Carroll hat es entwickelt – ursprünglich, um einer Lernschwäche zu begegnen, wie er in einem Interview berichtet. Weder die leeren Seiten eines Blanko-Notizbuchs noch standardisierte Vorlagen halfen ihm dabei, seine Mitschriften so zu organisieren, dass er sie später wiederfand, und so hat er sich dieses System überlegt.
BulletDas Bullet Journal hat viele Fans unter Kreativen gewonnen, die gerne zeichnen und visuelle Notizen bevorzugen.
Ein interessanter Aspekt von solchen analogen Notizbüchern: Wenn das Buch voll ist, zwingt es zur “Migration” der Inhalte – nur die relevantesten Ideen und Aufgaben werden von einem Buch zum anderen übertragen.

In der etwas ungelenken deutschen Variante heißt es Super-Buch (vielleicht etwas unfair, aber für mich klingt es leicht angestaubt nach buchhalterischem Hauptbuch.) Dessen Grundsätze sind:
1. Alles, aber wirklich alles aufschreiben,
2. Sämtliche Notizen konsequent an einem Ort
3. Systematisch vorgehen, z.B. konsistente Abkürzungen und Symbole, Farben verwenden für Projekte und Aufgaben; immer Datum und Seitenzahl notieren; das Inhaltsverzeichnis pflegen; …

2. Textdateien

Nicht analog, aber wie aus einer anderen Zeit, angesichts all der spezialisierten Apps zum Tagebuchschreiben, zum Teilen und Synchronisieren von Notizen: schlichte Textdateien, auf dem Desktop. Für Menschen, denen eine ausgefeilte Organisation zu aufwendig erscheint oder die vor lauter Selbstorganisiererei gar nicht mehr zum eigentlichen Aufschreiben kommen. Textdateien sind einfach, flexibel, zukunftsfähig, sie erfordern kein besonderes Werkzeug und keine Einarbeitungszeit. Und ablenkungsfrei funktionieren sie auch. Für manchen ist das hilfreich, in eine Textdatei jeden Tag hineinzuschreiben, zum Beispiel um eine “Done”-Liste zu führen. (Eine Done-Liste, das sind alle Aufgaben, die an dem Tag erledigt wurden – sozusagen das Gegenstück zu einer ToDo-Liste, bei der ja Aufgaben abgehakt werden, aber all das fehlt, was man statt der zu erledigenden Dinge so gemacht hat.)

3. Cornell Notes

Generationen amerikanischer Schüler und Studenten lernten und lernen, wie man Mitschriften systematisch mittels Cornell Notes organisiert, ein System, das in den 1950er Jahren entwickelt wurde. Ich führe es hier auf, weil es eine der bewährten Methoden ist, mit denen man versucht hat, Informationen gehirngerechter aufzubereiten – und es für Evernote ein eigenes Template dafür gibt.
CornellDer Vorteil (oder je nach Sichtweise: Nachteil) dieses Systems ist, dass man die Notizen nur einmal zu machen braucht. Die geteilten Abschnitte liefern ein einfaches und übersichtliches Schema, um die Notizen schon während des Schreibens zu organisieren, so muss man nicht Zeit damit verbringen, sie später neu zu schreiben.
Funktioniert am besten für Vorlesungen und Vorträge oder auch entsprechend angepasst zum Protokollieren von Meetings.

 

Ach so, die Antwort auf die Frage “analog oder digital” lautet natürlich: beides! Es gibt wohl etliche Studien, die belegen, dass man die Dinge besser behält, die man mit Stift und Papier notiert. Die Technik hilft dann, die Informationen zu digitalisieren, zu verwalten, mühelos zu durchsuchen und zu teilen. Und handschriftlich lässt sich in den aktuellen Notizen-Apps ja auch arbeiten.