Warum es gut ist, sich mit Markdown zu beschäftigen

Es scheint paradox: Ausgerechnet der Boom mobiler Apps und die Verbreitung digitaler Bücher haben zu einer heimlichen Renaissance des Formats „Nur-Text“ geführt – oder genauer gesagt, von Markdown-formatierten Texten.

Markdown-Kurzanleitung für Posts in Slack

Einst nur von Nerds und Programmierern als einfache und praktische Textformatierung genutzt, hat sich Markdown mittlerweile als einfacher Formatierungs-Standard in vielen Anwendungen durchgesetzt.

Außerdem hat es sich zu einer Art Lingua Franca entwickelt, mit der sich Apps untereinander verständigen, digitale Schreibprozesse verändern und die Texte aus proprietären Formaten befreien.

Was ist überhaupt Markdown?

SetzerDie Bezeichnung ist eine Anspielung auf Markup, was ursprünglich  „Auszeichnungsprache“ bedeutete: Textteile wurden im Manuskript markiert, damit der Setzer wusste, ob etwas fett, kursiv, eine Überschrift usw. werden sollte.

Seite „Schriftauszeichnung“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 26. Februar 2015, 16:05 UTC. URL: http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Schriftauszeichnung&oldid=139239672 (Abgerufen: 16. Juni 2015, 08:21 UTC)

nach: Wikipedia, “Schriftauszeichnung”

Im digitalen Zeitalter meint Markup die Syntax, die eine Software braucht, um etwas zum Beispiel im Webbrowser in der gewünschten Formatierung darzustellen. Das ist praktisch, aber nicht sehr lesefreundlich.

Die Geschichte von Markdown

Vor etwa 13 Jahren hatte der bekannte Technikblogger (und Apple-Kolumnist) John Gruber die Idee, Formatierungen in Textdokumenten mit einfachen Symbolen zu kennzeichnen. Dadurch sollte einerseits der Text gut lesbar bleiben, andererseits die Dokumente in verschiedenen Webanwendungen gut funktionieren. Dazu „übersetzt” ein zugehöriges Skript die Symbole in HTML-Code.

Einige Beispiele für Markdown-Syntax

Beispielsweise werden ungeordnete Listen, statt mit
<ul>, <li>
zu operieren, einfach mit Sternchen oder Spiegelstrich vor jeder Zeile gekennzeichnet.

     - ein Ding
     - noch eins
     - noch was

Geordnete Listen gehen noch viel einfacher, statt mit
<ol>, <li>
zu operieren, einfach mit Ziffern (deren Reihenfolge bei der Eingabe übrigens völlig unerheblich ist, Hauptsache, es steht eine Zahl mit Punkt).

     1. erstens
     2. zweitens
     1. drittens

Einer Überschrift <h1>, <h2> usw. werden Nummernzeichen vorangestellt

      # Überschrift1
      ## Überschrift2

und Hervorhebungen <b><strong> bekommen Sternchen vor und hinter dem Wort:

      **fett** 
      *kursiv*

Mehr Details? John Grubers originale Beschreibung der Markdown-Syntax findet sich hier.

Markdown wurde vor über 10 Jahren entwickelt. Warum sich jetzt damit beschäftigen?

Markdown kann überall da seine Stärken ausspielen, wo es um schnelle, schlanke Produktion über Plattformen hinweg geht. Dabei muss man aber berücksichtigen, dass nur eine geringe Zahl an Formatierungungen möglich ist. Allerdings – man kann es, im Gegensatz zu XML, innerhalb von 10 Minuten lernen 🙂

1. Markdown produziert „sauberen”, gut transformierbaren Code.

Vor allem im Selfpublishing-Bereich steht nicht mehr unbedingt die „schön layoutete Doppelseite” im Vordergrund, sondern das stressfreie digitale Publizieren. Deshalb erfreuen sich hier Markdown-basierte Tools einer gewissen Beliebtheit. Zum Beispiel der Universal-Konverter Pandoc oder die kollaborative Schreibplattform  Gitbook.

2. Markdown ist keine Raketenwissenschaft

Und was die Editoren angeht: Niemand muss mehr Markdown im reinen Texteditor schreiben. Schließlich gibt es mittlerweile etliche Schreib-Apps, die mit speziellen Makros die Eingabe erleichtern und nahezu eine WYSIWYG-Ansicht ermöglichen. Autorentools wie iA Writer und Ulysses können allesamt mit den Textauszeichnungen umgehen. (In der letzten Version offenbar auch Scrivener).

3. Markdown ist eine Art Lingua Franca, mit der sich Programme verständigen

Nicht nur die Texteditoren und Schreib-Tools im engeren Sinne, auch andere mobile Apps – besonders für iOS – können mit Markdown umgehen. Warum ist das wichtig?

Markdown-Export von Mindmaps aus iThoughts

Bekanntermaßen kommen die besten Ideen nicht unbedingt am Schreibtisch … Und die wenigsten möchten heute Geistesblitze auf Servietten, Bierdeckel, lose Zettel aller Art notieren, wenn sie doch das Smartphone dabei oder sonst wie Internetzugang haben. Deshalb bietet sich eben “Nur-Text” an. Denn dem Markdown-Dokument, das auf einem Cloudserver wie etwa Dropbox abgelegt werden kann, ist es beinahe egal, mit welchem Tool es weiterbearbeitet wird.

 

Das heißt: Man muss sich nicht für eine Anwendung entscheiden, sondern kann mit dem gerade aktuellen Lieblingstool experimentieren, ohne befürchten zu müssen, dass beim Export etwas verloren geht.

App2

4. Last not least: Schneller bloggen

Zwar versteht auch WordPress (mit PlugIn) die Kürzel, aber es gibt auch schlanke alternative Content-Management-Systeme wie Kirby und Pico, in denen man Beiträge in Markdown verfasst. Viele schätzen das rasche ablenkungsfreie Schreiben.

Allerdings: Hier wird es doch schnell wieder recht nerdig …