Wie geht es weiter mit der Ulysses App?

In den letzten Tagen gab es einige Aufregung um Ulysses, das elegante Schreibwerkzeug und derzeit eine meiner Lieblings-Apps. Die Entwickler SoulMen aus Leipzig haben nämlich beschlossen, von einem Kauf- zu einem Abomodell zu wechseln, um die Weiterentwicklung nachhaltig finanzieren zu können, wie in einem Blogartikel auf Medium nachzulesen ist.

Zwar sind sie nicht die ersten, die diesen Schritt vollziehen: Anfang des Jahres hat der beliebte Passwort-Manager 1Password auf ein monatliches Bezahlmodell umgestellt. Nur mit dem Unterschied, dass dies nur für neue Nutzer gilt, während sich für diejenigen nichts ändert, die die App zuvor gekauft hatten.

Ulysses hat dagegen beschlossen, auch für bestehende User das Abomodell einzuführen und sich damit eine Menge Ärger eingehandelt. Die Bewertungen im App Store und auf iTunes rauschten erstmal nach unten.

Klar, jährlich wiederkehrende Zahlungen für Software mag fast niemand gerne und ich selber habe auch schon zu viele davon. Aber die App deswegen gleich mit nur einem Stern zu bewerten, wie es einige aus Ärger getan haben, finde ich auch nicht fair. Denn es ist nach wie vor ein ganz famoses Schreibtool: schlicht, unaufdringlich aber leistungsfähig, und im Gegensatz zu den Konkurrenten Papyrus Author oder Scrivener von Anfang an für das mobile Schreiben optimiert.

Wie ich Ulysses zum Bloggen nutze

Was Ulysses alles kann, darauf werde ich an der Stelle nicht ausführlich eingehen. Dafür sind es der nützlichen Funktionen zu viele und außerdem gibt es ausreichend Dokumentation. Vielleicht so viel:

  1. Alle Textentwürfe sind in der sogenannten „Blätterliste“ schön übersichtlich organisiert. (Der Name kommt wohl daher, dass jede einzelne Notiz oder Seite als “Blatt” bezeichnet wird. Aber Blättern kann man darin natürlich auch.)
    Die Textschnipsel lassen sich manuell sortieren, eben nicht nur alphabetisch oder chronologisch (wie beispielsweise bei Evernote). So habe ich die Schnipsel schön im Blick und kann mir überlegen, welchen der Entwürfe ich weiterschreiben möchte.
  2. Mit wenigen Klicks lassen sich auch mehrere „Schnipsel“ auswählen und dann zusammen exportieren. Per Schnellexport mittels vordefinierter Templates nicht nur ins Blog, sondern auch in andere Anwendungen. (Mein Workflow sieht übrigens vor, dass der Textentwurf gleich in den Papierkorb wandert, sobald der Artikel erschienen ist, um die oben erwähnte Übersichtlichkeit nicht zu torpedieren.)

Unfertig, aber übersichtlich: Artikel-Entwürfe

Bleiben oder wechseln?

Zuerst habe ich mir also überlegt, die bestehende Version erst einmal weiter zu nutzen. Schließlich funktioniert alles prima und die Entwickler haben auch versprochen, dass die App auch bei den anstehenden Mac-/iOS-Versionen noch upgedated wird. Damit könnte ich ohne Probleme noch eine Weile weiter bloggen.

Aber ich werde wohl doch demnächst zur neuen Version wechseln. Zum einen finde ich es wichtig, unabhängige Entwickler zu unterstützen, damit es weiter genügend Wettbewerb und Innovation gibt. Das wäre die idealistische Sicht. Ich könnte auch einfach sagen: Ich finde es wichtig, dass eine Kreativumgebung einfach angenehm ist. Deshalb möchte ich mich nicht so schnell umgewöhnen – also wette ich darauf, dass es Ulysses noch eine Weile gibt, abonniere erstmal für ein Jahr (zum ermäßigten Preis für bestehende Käufer). Und hoffe, dass noch einiges an gut überlegten Features kommt. Wer weiß, vielleicht gibt es die App eines Tages auch als kollaboratives Werkzeug?

Siehe auch: Kommentar von Sebastian  Brinkmann auf journalisten-tools.de