Checklisten-Checkup im Lektorat

Als Lektorin oder Redakteur sollte man ein gutes Bauchgefühl dafür haben, wenn etwas mit einem Text nicht stimmt. Trotzdem ist es wichtig, für bestimmte formale Durchgänge eine Checkliste zu verwenden.

Checklisten wurden sehr populär, nachdem der Chirurg Atul Gawande in seinem „Checklist Manifesto” (2009)  nachgewiesen hatte, wie sich die Prozesse in OPs dadurch dramatisch verbessern lassen. Sie helfen versehentliches Auslassen von Standard-Prozeduren zu vermeiden, und so etwas kann im Gesundheitswesen schließlich lebensentscheidend sein.
In der Qualitätssicherung sind Checklisten sowieso gang und gäbe, man braucht nur an die Flugzeugwartung zu denken.

Aber Checklisten können unseren Arbeitsalltag nicht nur reibungsloser (weil fehlerfreier), sondern auch produktiver machen.

Formalismen machen vieles leichter, speziell wenn man „unterbrechungsgesteuert“ arbeitet: Arbeitet man solch eine Unterlage von oben nach unten ab, wirft einen ein Anruf oder der Besuch eines Kollegen nicht mehr so aus der Bahn.

So Alexander von Obert in der lesenswerten Anleitung zum Anleitungsschreiben für technische Redakteure.
Gerade wenn man es mit verschiedenen Projekten zu tun hat, bei denen unterschiedliche Konventionen gelten, helfen Checklisten den Überblick zu bewahren. Sie bergen aber auch Fallstricke.

  • Oft werden in Redaktionsleitfäden und Autorenrichtlinien formale Konventionen und Dinge, die zu prüfen sind, vermischt. Das macht das Zurechtfinden schwierig und sorgt vielleicht für Fehler, weil ein Schritt übersehen wurde.
    So etwas wächst über Jahre, gerade für Reihen ist es daher besonders ratsam, sowohl einen formalen Style Guide, Richtlinien als auch gesonderte Checklisten zu haben.
  • Ratsam sind mehrere Checklisten, jeweils eine für die verschiedenen Bearbeitungsstadien und Lektoratsdurchgänge. Manches lässt sich zum Beispiel über die Suchfunktion vereinheitlichen, anderes erst beim aufmerksamen Absatz-für-Absatz, Zeile-für-Zeile-Lesen.
  •  Eine Checkliste kann in einem Umfeld, wo sich so vieles ändert, nicht vor allen Fehlern bewahren. Zu lange und detaillierte Checklisten verstellen zudem den Blick aufs Wesentliche und lassen keinen Raum für Kreativität bei Sonderfällen.
  • Eine Checkliste ist nur dann gut, wenn sie auch gepflegt, also immer wieder entrümpelt und angepasst wird. Beispielsweise lassen sich für standardisierte Qualitätsroutinen Makros und Skripte entwickeln, dadurch fällt einiges weg, es entstehen aber neue Probleme …

Welche Tools sich für die Checklistenerstellung eignen? Naja, in den meisten Fällen wird das eine Word-Dokumentvorlage oder Excel-Datei sein. Gut eignen sich auch Notizen-Apps, mit denen sich Checklisten erstellen, verwalten und teilen lassen, wie Evernote oder OneNote. Daneben gibt es freilich eine ganze Reihe spezialisierter mobiler Apps, die meist aber eher in Richtung Aufgabenplanung und Produktivität gehen.

Linktipps: Mehr zum Thema im Teamworkblog. Tipps für das Erstellen von Checklisten finden sich hier, und eine Checkliste für Checklisten hat Gitte Härter geschrieben.